Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Eine Parallele zum Dreyfus-Prozeß
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 135 (sequence 2)
- Language
- German
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Line parallele zum Dreysus-Prozeß. 135 montanen Partei, in deren Hand die Fäden des scheußlichen Prozesses zusammenliefen. Da Tomaso am Abend vor seinem Verschwinden im Judenquartier gesehen worden war, so lenkte sich der Verdacht alsbald auf die Juden, wiewohl der plötzliche Selbstmord des bei dem Wortwechsel zwischen Tomaso und dem Maulthiertreiber zugegen gewesenen türkischen Kaufmannes jedenfalls einen sicheren und ganz anderen Anhaltspunkt gegeben hätte. Das lag aber keineswegs im Plane Mentons und der Mönche, die in diesem Falle einen Ausbruch des muselmännischen Fanatismus zu befürchten hatten. Die Thatsache, daß Tomaso Lästerungen gegen den Islam ausgestoßen, mußte vielmehr unterdrückt und der Verdacht ausschließlich auf die Juden gelenkt werden. Ein Pater Tustie entwickelte hierbei eine ganz besondere Geschäftigkeit, und da Menton wußte, daß der Gouverneur von Damaskus, Scherif Pascha, eine schöne Gelegenheit zur Gelderpressungnicht versäumen würde, stand fein Plan auch alsbald fest. Schon nach einigen Tagen hieß es, die Juden hätten Tomaso und seinen Diener ermordet, um sich ihres'Blutes für die Paffahfeier zu bedienen; christliche und mohamedanische Spione boten ihre Dienste an, und infolge ihrer Aussagen wurden einige Juden ergriffen und von Menton verhört. Ein armer jüdischer Barbier gerieth bei den ihm vorgelegten Strickfragen in Verwirrung; aber wiewohl er jede Theilnahme am Morde leugnete, übergab ihn Menton als stark Verdächtigen dem Scherif Pascha zur Untersuchung. Dieser ließ ihm 500 Stockschläge auf die Fußsohlen geben, und da er nichts bekannte, wurde er greulich gefoltert, bis er endlich die Namen von sieben angeblichen Schuldigen nannte. Es traf sich, daß es die reichsten und angesehensten Juden von Damaskus waren, darunter ein Greis von 60 Jahren. Sogleich verhaftet und verhört, stellten sie jede Schuld in Abrede, auch die Bastonnade vermochte kein Geständniß zu erpressen. Menton ließ nun die Angeklagten, von Soldaten bewacht, 36 Stunden lang ohne Schlaf und ohne Nahrung aufrecht stehen, dann mit Ruthen geißeln. Der 80jährige Laniado gab während der Marter seinen Geist auf, aber keiner gestand. Auf den Rath Mentons wandte Scherif Pascha ein noch scheußlicheres Mittel an. Mehr als 60 Kinder zwischen 3 und 10 Jahren wurden kurzweg ihren Eltern entrissen, in ein Zimmer eingesperrt und, damit die Mütter, durch