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Im deutschen Reich · 1898-03-01 · Heft 3 (März 1898) · p. 137

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 3 (März 1898)
Article
Eine Parallele zum Dreyfus-Prozeß
Date
1898-03-01
Page
137 (sequence 4)
Language
German
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Lin« parallel« zum vreyfus-prozeß. 187 arbeitet. Von ihnen erhielt Menton eine der Bibliotheea prompt» a Lucio Ferrario entnommene haßschnaubende Schrift, in welcher die bekannte Behauptung aufgestellt wurde, daß die Juden zur FeierihresPassahfestes desBlutes der Christen bedürften; Menton ließ sie ins Arabische übersetzen und unter dem Volke verbreiten. So war denn der Prozeß spruchreif, Menton ließ die Akten schließen, und das Urtheil lautete dahin, daß die eingezogenen und gefolterten Juden, soweit sie noch lebten, enthauptet werden sollten. Zu seiner Vollstreckung mußte aber Scherif Pascha die Genehmigung seines Herrn, Mehemed Alis, einholen. Für die, welche zur Ehre der Menschheit etwa an eine Uebertreibung oder einseitige Darstellung der hier geschilderten Vorgänge denken sollten, sei alsbald bemerkt, daß die ganze Darstellung auf der vom österreichischen Konsul Merlato seiner Negierung vorgelegten Berichterstattung beruht. Jetzt trat aber ein Wendepunkt ein, und hinter den unglücklichen Juden von Damaskus erscheint der Hintergrund, von dem sich die deutlichen Umrisse der damaligen französischen inneren und äußeren Politik Thierskchen Angedenkens abheben. Lange hatten die europäischen Konsuln in Damaskus den Scheußlichkeiten des von Menton geleiteten Prozesses theilnahmsloS zugesehen — vom englischen Konsul Werry wird sogar behauptet, daß er mit jenem unter einer Decke gespielt habe —; vielleicht lag auch kein Grund vor, der sie in formell juristischer Hinsicht zum Einschreiten berechtigte, bis der genannte Merlato, ebenfalls ein geborener Italiener, ein früherer Soldat, seinem französichen Kollegen in den Arm fiel. Unter den verhafteten Juden befand sich auch ein österreichischer Unterthan, und da auch auf ihn die Folter angewandt werden sollte, erhob Merlato bei Scherif Pascha einen sehr entschiedenen Einspruch, der auch die gewünschte Folge hatte und wenigstens eine Verzögerung des Prozesses herbeiführte. Menton hatte indessen dafür gesorgt, daß in französischen Zeitungen die Vorgänge in Damaskus in seinem Sinne vorgeführt wurden, und er versäumte dabei selbstverständlich nicht, seine Verdienste um die Entdeckung der Mörder ins richtige Licht zu setzen. Die ultramontanen Blätter verbreiteten geschäftig seine Darstellung, der Univers brachte Tag für Tag einen Brief aus Damaskus, obwohl nur alle acht Tage ein Schiff aus dem Orient ankam, und selbst liberale Zeitungen des Auslandes, wie z. B. die von Heinrich Heine

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