Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Eine Parallele zum Dreyfus-Prozeß
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 134 (sequence 1)
- Language
- German
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134 Eine parallele zum Dreyfus-Prozeß. Die >Mln. Ztg." veröffentlichte am 27. Febr. d. I. den nachstehenden, für die Gegenwart bedeutungsvollen Aufsatz: ÄM^er den im Jahre 1840 in Damaskus geführten Prozeß, in EÄ welchem Juden des Mordes eines Kapuziners beschuldigt wurden, sowohl in den Einzelheiten wie in dem politischen Hintergründe mit dem vergleicht, was sich alles an den Namen Dreysus geknüpft hat, wird überrascht sein von der schlagenden Aehnlichkeit beider Fälle. Der Hergang der an die frühesten Zeiten des Mittelalters erinnernden Scenen in Damaskus ist folgender. In dieser Stadt, die eine jüdische Bevölkerung von etwa 20 000 Seelen hatte, verschwand anfangs Februar 1840 der Guardian eines Kapuzinersklosters aus Sardinien, Pater Tomaso, mit seinem Diener. Man wußte nur, daß er einige Tage vorher einen Wortwechsel mit einem türkischen Maulthiertreiber gehabt hatte, der geschworen haben sollte, daß „der Christenhund von keiner anderen Hand als der seinigen sterben sollte"; dabei soll der Pater den Muselmann und seine Religion derart geschmäht haben, daß ein anwesender türkischer Kaufmann seine Empörung kaum habe bemeistern können. Da schon damals Frankreich das Protektorat über die Christen in Syrien thatsächlich ausübte, wandten sich die Mönche an den französischen Konsul in Damaskus, Natti-Menton, um die Entdeckung des Mörders herbeizuführen. Dieser Vertreter Frankreichs, der sich übrigens ganz unberechtigterweise den Grafentitel beilegte, war ein in Frankreich naturalisierter Italiener, hatte zweimal in Sizilien Bankrott gemacht und wurde französischer Konsul in Tiflis, wo er wegen höchst unehrenhafter Dinge das Feld räumen mußte. Daß der anrüchige Mensch nicht weggejagt, sondern noch weiter im Staatsdienst verwendet und als Konsul nach Damaskus geschickt wurde, verdankte er dem Grafen Montalembert und der ultra-