Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Emil Lehmann
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 122 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316641-2322064--03724-2322142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
122 Im deutschen Reich. nisses wird Emil Lehmann stets einen Ehrenplatz einnehmen, denn nur einem Mann von tadellosem Rufe und anerkanntem Edelsinn konnte es gelingen, in einem Lande, wo die Juden von jeher nur eine ganz verschwindende Minderheit bildeten und trotzdem bitter angefeindet wurden, einen Platz in der städtischen Verwaltung der Hauptstadt und in der Volksvertretung zu erhalten und lange Zeit hindurch zu behaupten. So mannhaft er für das Judenthum einstand, wo dieses angegriffen wurde, hätte diese Stellung Lehmanns wohl auch selbst gegen den Ansturm der Antisemiten noch weit länger behauptet werden können, wenn er, der mächtig angeschwollenen konservativen Strömung Rechnung tragenv, seine politische Ueberzeugung verleugnet und wie manche andere sich mehr nach rechts hätte drängen lassen. Dem Manne mit den festen Grundsätzen war dies unmöglich; er konnte nicht verleugnen, was ihn als Jüngling zur Zeit des deutschen Völkersrühlings begeistert, was ihn zum deutschen Volksvertreter gemacht hatte, noch ehe es ein einiges Deutschland gab. Wenn seine Glaubensgenossen in ihm den letzten nicht-sozialdemokratischen Juden aus dem sächsischen Landtage mit tiefem Bedauern scheiden sahen, hatten sie dafür die Genugthuung, ihn mit doppeltem Eifer sich der Verwaltung der Dresdner Religionsgemeinde widmen zu sehen. Bereits am 27. März 1862 zum Gemeindedeputierten und am 9. Februar 1869 zum Gemeindevorsteher gewählt, hat er dieses Amt bis zu seinem Lebensende mit größter Hingebung verwaltet. Die Anerkennung für seine Leistungen auf diesem Gebiete wurde ihm bei seiner silbernen Hochzeit, bei seinem 25 jährigen Amtsjubiläum und anderen Gelegenheiten in herzlichster Weise bezeugt; sie fand in der allgemeinen Theilnahme bei seinem unerwarteten Hinscheiden, durch die Ehrungen bei seiner Leichenfeier deutlichen Ausdruck, und sie wird noch nachträglich bekundet durch eine von dem Dresdener Israelitischen Gemeinderath angeregte Wohlthätigkeits-Stiftung, welche Emil Lehmanns Namen zu verewigen bestimmt ist. Wer ihn persönlich kannte, der wußte es, daß der Mann mit dem Geiste des Philosophen ein weiches jüdisches Empfinden verband, daß sein Wunsch nach Reformen doch in der Gemeindeverwaltung nie die Schranken durchbrach, die ihm die Verehrung für seine Vorfahren» für seine großen Lehrer und Freunde Frankel