Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Emil Lehmann
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 119 (sequence 3)
- Language
- German
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Emil Lehmann. 119 Kern des Judenthums zu erhalten und zu verklären. Wenn sich aber das theologische Gebiet offenbar nicht zum Felde seiner Thätigkeit eignete, bekundete er doch auch auf diesem Gebiete Charaktereigenschaften, die Bewunderung verdienen: Mannesmuth, Freiheitssinn, Forschungstrieb, strenge Wahrheitsliebe und rückhaltslose Offenheit. Trotzdem ist zu beklagen, daß aus dem obenerwähnten Vortrage Lehmanns am 27. September 1893 und aus seinem ausgezeichneten „Offenen Briefe an Paulsen" nicht jene Aeußerungen ausgeschieden werden konnten, welche er selbst nur als rein persönliche Anschauungen hinstellte. Aber auch so, auf dem äußersten linken Flügel des Judenthums stehend, war er der wunderbarste Zeuge für die überzeugende Kraft unserS Glaubens, mit dem er auch bei der freiesten Bewegung unauflöslich verbunden blieb, für den er wie ein Held kämpfte und wie ein Märtyrer litt. Deshalb schrieb ein jüdisches Blatt „strengster Observanz" von dem Verstorbenen: „Auch diejenigen, welche die Thätigkeit des Heimgegangenen nach innen als eine unheilvolle bekämpfen mußten, werden den Muth und die Hingebung, mit welcher er die Ehre der Judenheit nach außen, ihre bürgerliche und gesellschaftliche Stellung gegen antisemitische Angriffe vertheidigte (so z. B. erst vor einigen Monaten in seinem „Offenen Brief an Prof. Paulsen") lobend anerkennen." Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dessen Vereinsorgan, diese Zeitschrift, danken dem Hingeschiedenen außer den mehrfach erwähnten beiden Leistungen und anderen schätzbaren Anregungen auch den Gedanken einer Veröffentlichung der Lebensbilder der „Deutschen Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses". Was ihm dabeivorschwebte, hat er in der von ihm verfaßten Einleitung zu dieser Artikel-Serie (Heft 2 des 3. Jahrgangs dieser Zeitschrift) in beredten Worten verkündigt. Er wollte insbesondere an jene Zeiten erinnern, „da das deutsche Volk die Eigenschaften deutsch und national nicht im Sinne der Gehässigkeit und Ausschließlichkeit, sondern in dem der Liebe und Gerechtigkeit auffaßte, da eö nicht Phrasendrechslern, die unter Aufstachelung der Volksleidenschaften sich aufdrängen, Mandate übertrug, sondern tüchtigen, erprobten Männern, ohne Rücksicht auf Abstanrmung und Neligionsbekenntniß". lind weil es ihm auch darum zu thun war, dankbar jene Volks-.