Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Emil Lehmann
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316641-2322064--03720-2322138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 3m deutschen Reich. wünsche Ihnen Glück zu diesem Verbände, zu dieser Vereinigung, die da« Wort wahr macht: „Wir fordem nur Gerechtigkeit — treu deutsch und jüdisch allezeit!" Daß Emil Lehmann ein echter Deutscher jüdischen Glaubens war und allezeit treu deutsch und jüdisch empfand und handelte, davon gab seine letzte Schrift beredtes Zeugniß, denn in dieser erklärte er kurz und bündig: „Und nun, hochverehrter Herr Professor, laffen Sie sich auch sagen, warum ich und meine Glaubensgenoffen, die gleich mir denken und fühlen, gleich mir Deutschland als ihr Vaterland verehren und kein anderes kennen, noch erstreben — dennoch sich nicht taufen laffen: I. weil der Uebertritt von einer Religion zur anderen nur dann ehrenhaft und anständig ist, wenn der Uebertretende von der überwiegenden Trefflichkeit der neuen Religion nicht nur, sondern auch von der Minderwerthigkeit der alten überzeugt ist, 2. weil der Uebertritt ohne solche Ueberzeugung frivol, heuchlerisch, feig, entwürdigend, meineidig, pietätlos und g e s ch i ch t s w i d r i g ist, insofern der Uebertretende den geistigen und seelischen Zusammenhang mit seinen Ahnen und seinen Leidensgenossen löst." Wenn trotz dieser treuen jüdischen Gesinnung, trotz der großen Verdienste, welche sich Emil Lehmann um die v ö l l i g e Gleichstellung der Juden in Sachsen, um den engen Zusammenschluß aller jüdischen Gemeinden in Deutschland, um zahlreiche jüdische wohlthätigeJnstitutionen erworben hat, die erwähnten beiden Schriften mehrfach Anfechtungen erlitten haben, so erklärt sich das aus den ernsten Bedenken, welche einzelne eingeflochtene rein persönliche Anschauungen des Verfaffers über dogmatische und rituelle Angelegenheiten hervorriefen. Selbst die glühendsten Verehrer des Dahingeschiedenen werden eingestehen müssen, daß er, der als Ethiker in Wort, Gesinnung und That, der als Vertheidiger des Rechts und der Freiheit, der als Dichter und Geschichtsschreiber so Großes leistete, Anstoß erregte, wo er, selbstverständlich in der besten Absicht, als religiöser Reformator zu wirken bestrebt war. Aber selbst in seiner deshalb viel angefochtenen Schrift „Höre Israel" und ähnlichen Publikationen zeigt sich mitten in dem Werk der Zerstörung einzelner als unverletzlich zu betrachtender Dinge immer wieder das wohlgemeinte Streben, den ethischen