Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 108 (sequence 8)
- Language
- German
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108 3m deutschen Reich. ländern, dann sage man sich sicher: ganz ohne Verdienst sind die Abwehrbestrebungen, und insbesondere die des CenLral-Vereins, nicht gewesen." (Lebhafter Beifall.) Wenn in Berlin der Sturm auf das Rothe Haus mißlungen sei, während in Wien der Antisemitismus der Gasie sieghaft geblieben, so sei dies dem gesunden Sinne dev Bevölkerung, aber auch dem Umstande zuzuschreiben, daß die Juden nicht die Hand in den Schooß legten. Tieftraurige Dinge hätten sich jetzt in dem Lande ereignet, dessen Bewohner sich ehemals rühmten, an der Spitze der Civilisation zu marschieren, Dinge, die überall möglich seien, wo der Geist des Chauvinismus den der Sittlichkeit verdränge, wo man den staatszerstörenden Antisemitismus ruhig groß werden lasse. Es sei deshalb hochwichtig, daß stets in Deutschland „das Herz des Staatsmannes nicht im Kopfe sitze". Wäre Kopf und Herz „des Staatsmannes" zur rechten Zeit auf dem rechten Fleck gewesen, dann hätte man nicht aus politischen Gründen sich veranlaßt gefühlt, den für brauchbar gehaltenen Antisemitismus sich ungehindert entfalten zu lasten. Bessere Zeiten würden kommen, je mehr an leitender Stelle die Erkenntniß sich Bahn breche, daß die Grundsätze der auswärtigen Politik nicht auf die innere Politik, nicht auf die Behandlung der Volksgenossen übertragen werden dürfen. „Bis diese Zeit herannaht, gilt es aber treu und fest zusammen zu halten in der wackeren und muthigen Verteidigung von Recht und Ehre, in einer den Schwachen immerhin möglichen festen Defensiv - Stellung. Bei der Wahrung unserer heiligsten Güter dürfen wir nicht rasten, dann werden wir auch nicht rosten; das Recht ist auf unserer Seite, aber auch schließlich der Sieg, wenn die Glaubensgenossen treu zu uns halten. In dieser frohen Ueberzeugung bestärkt uns der Rückblick auf das, was in und durch den Central - Verein in der verhältnißmäßig kurzen Zeit von fünf Jahren erreicht worden ist. Er verleiht uns durch die Hoffnung auf eine Zeit, wo es des Kampfes für unser gutes Recht nicht mehr bedürfen wird, die rechte Festesstimmung!" Der Aufforderung des Redners, dieser Stimmung durch den Ruf:, „Hoch der Central-Verein, hoch der Kampf für unser Recht!" Ausdruck zu geben, wurde mit stürmischem Jubel entsprochen. Vor dem Beginn des zweiten Theils des Festprogramms erfolgte die Mittheilung einiger Glückwunsch - Telegramme hiesiger und auswärtiger Mitglieder. Enthusiasmus erregte das von Herrn S. Jablonski verfaßte folgende Telegramm der Posener Mitglieder: „Der >lampf ist schwer; in muth'gem Streiten Erränget Ihr wohl manchen Sieg. Wißt: uns're Wünsche Euch begleiten, Daß niemals Eure Kraft-erlieg'.