Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 104 (sequence 4)
- Language
- German
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104 3m deutschen Reich. Glaubens oder seiner Abstammung gekränkt werde, mit Rath unt> That beizustehen. Der Rechtsschutzkommission, so führte Redner aus, ist es zu danken, daß die Sprache in den antisemitischen Blättern eine ganz andere geworden ist. Der Central-Verein ist auch mit Erfolg eingetreten, als jüdische Soldaten auf einer Kontrol-Versammlung verunglimpft wurden, er wirkte dafür, daß bei Ausschreibung von vakanten Stellen bei Provinzialbehörden kein religiöser Unterschied bei den Bewerbern gemacht wird. Der Verein hat seine Stimme erhoben in Sachen der bedrohten jüdischen Lehrkräfte an den Volksschulen, er ist eingeschritten, um die Vertheilung von antisemitischen Büchern als Schulprämien zu beseitigen. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Zum Schluß seines humorgewürzten Vortrags forderte Dr. Pariser zum Eintritt in den Verein auf, welchem Wunsche auch viele der anwesenden Gäste entsprachen/" Ueber den Verlauf dieser Versammlung, der auch eine größere Zahl von Vereinsmitgliedern aus der Provinz Posen beiwohnte, wurde uns noch Folgendes berichtet: Dr. Pariser legte in seinem Vortrage die großen Gesichtspunkte dar, die den Verein leiten, den der planmäßigen Selbstvertheidigung und der damit verbundenen Oeffentlichkeit. Der anfänglich nothgedrungen eingenommene Standpunkt des Vorgehens auf dem Prozeßwege gegen Einzelne konnte im Laufe der fünf Jahre mehr und mehr verlassen werden, wenn er auch heute noch in einzelnen speziellen Fällen innegehalten werden muß. Erstens ist die antisemitische Presse durch die Ueberwachung seitens des Central-Vereins und die Prozesse vorsichtiger geworden, und zweitens hat der Antisemitismus jetzt mehr andere, zwar weniger laute, aber nicht weniger gefährliche Formen angenommen. Er ist der Antisemitismus der Verwaltung, ja sogar der Legislatur geworden. Gegen diese Erscheinungsform hat der Verein in unermüdlichem Kampfe, der bereits vielfach gute Früchte getragen, sich an die einzelnen Verwaltungszweige gewandt, um prinzipielle. Rechtsungleichheiten zu beseitigen. Der Vortragende belegte dies mit. einer langen Reihe von Beispielen. Sodann besprach Dr. Pariser die Stellung des Central-Vereins zur Taufe, deren Vornahme er alseine Heuchelei bezeichnete; die moderne Taufe sei keine Religionssache für die Ueberlaufenden, sondern eine Sache des Charakters oder vielmehr der Charakterlosigkeit. Die Hauptschuld trügen daran die maßgebenden Kreise, die einen so hohen Preis auf die Taufe setzten. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens müssen die stolze Bürgertugend der Resignation üben, d. h. lieber verzichten auf gewisse Karrieren, Ehren und Titel, als sich beugen und damit er-