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Im deutschen Reich · 1898-02-01 · Heft 2 (Februar 1898) · p. 93

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 2 (Februar 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-02-01
Page
93 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 93 lesung dieser Peütion wurde aber bei der Abstimmung durch die antisemitische Mehrheit des Landtages verhindert. Auch in F r a n k r e i ch ist der durch den unglückseligen Dreyfus- Fall entfachte Judenhaß wesentlich auf eine falsche Auffasiung des Nationalitäts-Prinzips zurückzuführen. Selbst die deutschen Antisemiten verschließen sich der Thalsache nicht, daß die aus dem Elsaß stammenden, deutsche Namen tragenden französischen Juden schwer unter der natürlichen Rückwirkung des Chauvinismus auf die Masse des französischen Volkes zu leiden haben. Das Dresdner Organ der deutsch-sozialen Reformpartei „Deutsche Wacht" schrieb am 1. Februar: „Man freut sich bei uns über ein Erwachen des Antisemitismus in Frankreich. Sehr schön. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß der Anüsemitismus der Herren Drumont und Genossen gleichzeitig eine Verschärfung der Volksmeinung Deutschland gegenüber bedeutet. Die BegriffeJude undDeutscher werden, begünstigt durch die „deutschen" Namen der französischen Großjudenschaft, so geschickt zusammen- und durcheinander geworfen, daß die ganze aufschäumendeVolkswuth, über deren Berechtigung wir hier nicht zu entscheiden haben, sich gleichzeitig auch gegen dieDeutschen richtet. Wir zweifeln zwar keinen Augenblick daran, daß der ganze Rummel sich ohne weitere Schwierigkeiten legen wird, das enthebt uns aber nicht der Pflicht, allen derartigen Erscheinungen mit der Gewissenhaftigkeit des sorgsamen Hauswalters zu folgen." Damit unterschätzen die deutschen Antisemiten aber die Gefahren des jetzigen französischen „Rummels", der von dem Franzosen Georges Clemeneeau weit richtiger in der „Aurore" mit folgenden Worten gekennzeichnet wurde: „Wir belügen uns selbst mit den Lobhudeleien unserer Civilisation; beim ersten Schrei der Wildheit, der unter uns ertönt, tritt bei allen Civilisierten der barbarische Grundzug wieder hervor. Ein Ruf hat genügt: „Tod den Juden!" Und die Menschen stürzten sich in unbändiger Wildheit in Plünderungen, Brandschatzungen und Metzeleien, indem sie von diesem Ausbruche der Wuth das Ende ihrer Leiden erwarten. „Tod den Juden!" heute, „Tod wem?" morgen. Wenn es genügt hätte, zu tödten, um die Menschen von ihren Ketten zu befreien, um sie in den Frieden des sozialen Glückes festzusetzen, so würde das Menschengeschlecht seit dem Ursprünge der Geschichte zu viel Glückseligkeiten kennen. Wann werden wir endlich alle uns dazu verstehen, nicht mehr zu hassen, oder wenn das noch zu viel verlangt ist, nicht mehr unseren Hassesausbrüchen die Zügel schießen

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