Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 91 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 91 Brauerei zu Berlin veranstalteten Versammlung: „er sei in antisemitischer Beziehung kein Neuling, da er in seiner 14 Jahre dauernden Thätigkeit als Geistlicher in Berlin kennen gelernt habe, wie nöthig es sei, dem zersetzenden Einfluß des Judenthums entgegenzutreten. Er hoffe, auch den antisemitischen Theil der Bevölkerung der Kreise Teltow und Niederbarnim wohl vertreten zu können." Wie die „Mark. VolkszLg." mittheilt, gedenken die katholischen Wähler aus dem Teltower Kreise, für welche die Kandidatur des Superintendenten Vorberg-Schöneberg unannehmbar sei, ebenfalls eine Versammlung einzuberufen. Jedenfalls würde ein von diesem Blatt empfohlener Kandidat mindestens ebenso judenfeindlich gesinnt sein wie die Herren Vorberg und' Fröhlich, weil der Antisemitismus fast allgemein als Köder für die Massen gilt. Diese Annahme läßt z. B. den Redakteur des antisemitischen „Bayerischen Vaterland", den originellen Reichstagsabgeordneten Dr. Sigl, als eine Macht erscheinen, mit welcher selbst Kirchenfürsten rechnen zu müssen glauben. In seinem Blatte beschwerte sich Dr. Sigl kürzlich über einen Pfarrer, der einer Leserin seines Hetzblattes die Absolution verweigerte, mit den stolzen Worten: „Nachdem die sämmtNchen Bischöfe des Landes bis auf einen Abonnenten des „Vaterland" sind und der jeweilige Nuntius regelmäßig seine Karte beim Redakteur abgiebt, wäre es eine untrügliche Ueberschreitung seiner Befugnisse, wenn ein Pfarrer sich beigehen ließe, einem Leser des „Vaterland" die Absolution zu verweigern. Wir fordern seitens des Ordinariats eine Untersuchung oder eine entsprechende Satisfaktion gegenüber dem Fanatismus des betreffenden Pfarrers." Diese kühne Sprache darf derselbe Mann führen, den sein mehr gegen die Preußen als gegen die Juden gerichteter roher Haß vor Kurzem zu folgendem abscheulichen Ausspruch verleitete: „Im Kieler Hafen ist eine Dampfpinasse der Marine vom Sturm umgeblasen worden, weil die Preußen wieder einmal bei Sturm nicht zu fahren wußten. Als das Schiff bereits untergegangen und der Kessel geplatzt war, kamen die Marinepreußen. Es sind 10 (oder 6) Mann ertrunken. — Wenn d i e Preußen es nicht können, aber doch fahren wollen, dann ersaufen sie und sagen: navigare necesse est, vivere non est necesse, zu deutsch: gefahren muß sein, wenn wir's auch nicht können und ersaufen". — Auch von diesem gehässigen Partikularisten gilt das Wort Lazarus', daß es unvereinbar mit dem „Ideal eines geläuterten Nationalgefühls ist, in einem Theil der Bevölkerung einen heftigen Widerwillen gegen einen anderen Theil derselben Zu erregen".