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Im deutschen Reich · 1898-02-01 · Heft 2 (Februar 1898) · p. 90

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 2 (Februar 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-02-01
Page
90 (sequence 5)
Language
German
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90 3tu deutschen Reich. fordern, die sich mit Vorliebe als die „staatserhaltenden" bezeichnen und sich trotzdem aus dankbarer Erinnerung an die gemeinsam betriebene Anfeindung der Juden nicht von den Elementen loslösen mögen, welche die staatliche Ordnung unterwühlen und die Massen mit stärkeren Schlagworten als ihre früheren Kampfgenossen an sich zu locken wissen. Zu den erfrischenden Rücksichtslosigkeiten gehört es sicher, daß in dem Blatt Sedlatzek's von dem Vertheidiger des Letzteren im Mirbach-Prozesse am 11. Februar gesagt wurde: „Das bisherige Mitglied der radikalen „Antisemitischen Lese- und Rede- Vereinigung", unser Rechtsanwalt Ulrich, hielt es für angebracht, der schmachtlappigen „ultrakonservativen Gesellschaft" befriedigende Erklärungen abzugeben, um deren zweiten Vorsitz zu erlangen, anstatt ihr gebührend den Rücken zu zeigen!!!" Diese Bemerkung bezog sich auf die Vorgänge bei dem Berliner konservativen Parteitage in der Tonhalle, wo am 8. Februar der Abg. v. d. Groben- Arenstein zwar erklärte, „er sei ein vollkommen richtiger Antisemit, aber ein entschiedener Gegner der deutschsozialen Reformpartei. Wenn man mit den Antisemiten in Berlin zusammenginge, binde man sich einen Stein an den Fuß". Die widerspruchsvollen Aeußerungen des Abg. v. d. Gröben-Arenstein entsprachen vollständig der unsicheren Haltung des Freiherrn von Manteuffel-Croffen auf dem Dresdener Parteitage am 2. Februar, wo dieser konservative Führer erst erklärte, die Hauptaufgabe des Parteitages bestehe in einer festen Stellungnahme zu den Antisemiten, sich anfangs entschieden gegen die deutsch-sozialen Reformer wandte, als aber diese Absage auf Widerspruch stieß, dieselbe auf die Bekämpfung des Radau-Antisemitismus reduzierte, zu welcher ihm vielleicht eine besondere Kraftaufwendung nicht erforderlich schien. Der Anhang Manteuffels braucht sich also den antisemitischen „Stein nicht erst an den Fuß zu binden"; 'er schleppt sich schon jetzt mit der Last des Tivoli-Programms und des Stöcker-Anhangs ohnehin nur mühsam weiter. Die unbefangenen Wähler werden sich durch die sich auf die Mandaten-Jagd beschränkenden Scharmützel der judengegnerischen Fraktionen nur abgestoßen fühlen. Zwischen, den Antisemiten und den Konservativen im Wahlkreis Teltow - Beeskow - Charlottenburg hat sich neuerdings eine heftige Fehde entsponnen aus Anlaß der Aufstellung eines konservativen Gegenkandidaten, des Superintendenten Vorberg, gegen den von den Antisemiten ausgestellten Kandidaten Fröhlich. Der Superintendent erklärte am 7. Februar in der vom Bunde der Landwirthe im Saale der Viktoria-

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