Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 89 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 89 Thulsache. Ich nenne es eine ThaLsache der Schmach. Es ist eine Verhöhnung des ganzen politischen Lebens, des freien Wahlrechts; eine Verhöhnung der Ehrenhaftigkeit." Wie Ahlwardt, durch seine Erfolge in Friedeberg-Arnswalde ermuthigt, sich vermißt, im Hagener Kreise Eugen Richter das Mandat zu entreißen, so kandidiert Ahlwardt's würdiger Genosse,' der bekannte Karl Sedlatzek, nicht nur im Wahlkreise Schivelbein-Dramburg, sondern bewirbt sich auch um das bisherige Mandat Heinrich Rickert's in der Stadt Danzig. Auch dies ist keine „Narretei", sondern blutiger Ernst, denn diese Männer, welche gewöhnt sind, im Kampfe gegen die Juden an die schlimmsten Instinkte der Mafien zu appellieren, sind deshalb auch auf dem politischen Felde nicht zu unterschätzende Gegner. Die „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" berichteten, daß Sedlatzek in Belgard und anderwärts, die Geschichte von dem zum Geh. Kommerzienrath emporgestiegenen jüdischen Hausierer erzählend, daran die zu Gewaltthätigkeiten aufreizende Bemerkung geknüpft habe: „Ist es nicht recht, wenn diesem Volke der Garaus gemacht wird?" ~ Daß Karl Sedlatzek's Blatt durch die bekannten Äußerungen des Fürsten Bismarck über den Antisemitismus veranlaßt wurde, am 21. Januar zu behaupten, diese Aeüßerungen des Altreichskanzlers seien „echt cohnservativ", die ganze Kundgebung sei oberflächlich, dünkelhaft und ohne Kenntniß auch nur des einfachen antisemitischen A-B-C's, ist bezeichnend genug. Gegenüber den Worten Bismarck's, Maßregeln, wie die Bartholomäusnacht oder die sizilianische Vesper, hielten selbst die leidenschaftlichsten Antisemiten für kaum zulässig und möglich, meinte aber das Sedlatzek'sche Blatt sogar: „Oho! Gerade die besten und edelsten, die wiffenschaftlichsten Antisemiten sind es, welche der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß nur die gänzliche Ausrottung und Unschädlichmachung der Hebräer das Endziel aller wahren Freiheitsapostel und Menschheitserlöser sein muß." Diese offenbar zu Gewaltthätigkeiten aufreizende Bemerkung ließ die obige Darstellung der „Mittheilungen", welche Sedlatzek später aus wohlerwogenen Gründen bestritt, nicht unglaubwürdig erscheinen. Auf jeden Fall ist die Thatsache, daß der Herausgeber desjenigen Blattes, defien Tendenz an Gerichtsstelle von dem Oberhofmeister Freiherrn von Mirbach in schärfster Weise gekennzeichnet worden ist, es wagen darf, in verschiedenen Wahlkreisen sich um ein Neichstagsmandat zu bewerben, ein Zeichen der Zeit, welches nicht nur den Juden, sondern viel weiteren Kreisen bedenklich erscheinen muß. Am meisten sollte es diejenigen Parteien zum Nachdenken auf-