Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 88 (sequence 3)
- Language
- German
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88 3m deutschen Reich. diejenigen find, die uns die Zugehörigkeit zum deutschen Volke streitig zu machen versuchen. Die Zahl dieser Verblendeten ist leider keine geringe und die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens müssen sich mit Geduld und Standhaftigkeit waffnen, um den mannigfachsten Vedrängnifsen gegenüber das nicht preiszugeben, was ihren höchsten Werth ausmacht, die Anhänglichkeit an den Glauben der Väter und an ihr deutsches Vaterland. Indem sie für ihre bedrohten Rechte mannhaft kämpfen, schützen sie gleichzeitig die Nation, deren Theil sie sind, vor schnödem Treubruch, vor einem greulichen KulturrückschritL, vor einem lästerlichen Rückfall in mittelalterliche' Vorurtheile, in Verdummung und knechtische Verhältnisse. Die Stürme, welche jetzt nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt durchtoben, zertrümmern vielleicht manches Menschenglück und machen deshalb selbst muthige Herzen verzagen, aber sie sind sicher die Vorboten des herannahenden Frühlings, und früher oder später wird die milde Sonne der Aufklärung doch sieghaft die Wolkenschichten durchbrechen, welche augenblicklich ringsum den Horizont verdunkeln. Jetzt freilich fühlt man sich versucht, mit Uhland zu sagen: „Untröstlich ist's noch allerwärts." Unseren Satzungen entsprechend, bleiben wir der politischen Arena grundsätzlich fern, aber wir können nicht die Augen verschließen vor dem, was in derselben vorgeht, weil die Kämpfe, die sich dort vollziehen, aus das Schicksal aller Staatsbürger mächtig einwirken. Es kann uns nicht gleichgültig lassen, daß jetzt diejenigen Männer, welche die Verleumdung und Beschimpfung des Judenthums gewerbsmäßig betrieben haben und noch betreiben, sich der Gunst weiter Volkskreise so sicher glauben, um im Wahlkampfe sich mit den hervorragendsten Vertretern freiheitlicher Parteien zu messen. Wenn irgend etwas geeignet ist, das deutsche Volk darüber aufzuklären, daß der Antisemitismus nicht nur die Rechte der Juden, sondern die freiheitlichen Errungenschaften der ganzen Nation bedroht, dann ist es die ruhige Beobachtung des Vorspiels der sich entspinnenden Wahlkämpfe. Es war kein Jude, sondern ein christlicher Bürger der Stadt Hagen, Julius Funcke sen., welcher unter dem stürmischen Beifall einer von mehr als 1000 Personen besuchten Volksversammlung am 1. Februar im Diktoriasaale zu H a g e n sagte: „Wie konnte ein Mann wie Ahlwardt hier aufgestellt werden? Jede Partei hat ihre Berechtigung, Kandidaten aufzustellen nach ihren Grundsätzen und Ansichten, aber einen Ahlwardt im Kreise Hagen aufzustellen, das war eine Ungeheuerlichkeit. Man hat es für eine Narretei gehalten, als zuerst die Rede davon war; aber es wurde