Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 79 (sequence 6)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 7S trauernd verhüllte der Genius des Vaterlandes sein Antlitz beim Anblicke des Zwistes, der von Jahr zu Jahr an Ausdehnung zunahm. LaSker jedoch, der wie später einmal sein großer Gegner, der Abgeordnete vr. Windthorst, sich ausdrückte, viele Jahre die Hälfte aller parlamentarischen Arbeit that, trat diesmal nur zögernd ein in der richtigen Erkenntniß, daß ihm, dem Bekenner des jüdischen Glaubens, Zurückhaltung gezieme in Beurtheilung der christlichen, beziehungsweise der katholischen Religion. Er enthielt sich meist der Theilnahme bei den Gesetzentwürfen in der Materie des Kulturkampfes; er war weit davon entfernt, etwas, was an die Aufgaben der katholischen Religion angrenzt, irgend wie zu berühren; er hatte es fick zur Regel gemacht, in ausschließlichen Kirchenfragen das Wort nicht zu ergreifen. Gleichwohl war er der Pflicht eingedenk, welche ihm als Vertreter der Gesammtheit oblag und ihn oft wider Willen zum Sprechen nöthigte. Dann war sein Wort ein Zeugniß des Rechtssinns und der Unparteilichkeit, die ihn beseelten. So sprach er am 5. April 1871 im Reichstage gegen die Beeinflussung von der Kanzel herab, am 8. Februar 1872 im Abgeordnetenhause für das Schulaufsichtsgesetz, das nach der Auffasiung des Centrumü die Schule konfessionslos und den Staat heidnisch machte; am 21. Januar 1873 und am 26. November desielben Jahre», beide Male int Abgeordnctenhause, gegen das Centrum, betreffend die Wahlen, beziehungsweise die Strafen und Znchtmittel der katholischen Kirche; zuletzt in der stürmischen Reichstagssitzung vom 4. Dezember 1874 bei Berathung des Etats für Bundesrath und Ausschüsse des Bundesraths, in welcher Sitzung er wegen einer heftigen Insinuation gegen das Centrum sich den Ordnungsruf des Präsidenten zuzog. Andererseits plaid ierte er in höherem oder geringerem Grade für das Centrum am 19. Juni 1872 im Reichstage aus Anlaß des Jesuitengesetzes, das dem Orden das Recht zum Aufenthalte im Deutschen Reiche entzog; ebendaselbst am 24. April 1874 bei dem Gesetze über unbefugte Ausübung von Kirchenämtcrn, am 19. Mai desselben Jahres im Landtage anläßlich der Exekutivhaft eines katholischen Geistlichen, und zuletzt am 12. und 16. Dezember 1874 wegen Verbüßung der gerichtlich verhängten Haftstrafe eines Reichstagsabgeordneten, in welchen Fällen Lasker der Beifall des Centrums und der ausdrückliche Dank des Abgeordneten Windthorst zu Theil wurde.