Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 75 (sequence 2)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 75 Je mehr die damalige Einigung des deutschen Volkes und sein ruhmvolles Zusammenwirken dem gewaltigen Kriege ein wahrhaft nationales Gepräge verlieh und je mehr aus den Siegen, an welchen alle deutsche Stämme mit Gut und Blut betheiligt waren, ein gemeinsames Ganzes, ein an Haupt und Gliedern geeintes Reich als letztes Ziel hervorleuchtete: mit desto größerer Genugthung durste Lasker auf seine bisherige Thätigkeit zurückblicken. „Mir war die Aufrichtung des Reichs von allergrößter Wesentlichkeit, und die Bundesverfassung von 1867 hat uns das Reich von 1870 gebracht," rief LaSker einmal den Gegnern der Verfassung im Jahre 1873 zu. Ja gewiß, Lasker hat von Anfang an zielbewußt und mit der vollen Energie seiner Persönlichkeit an dem politischen Einigungswerk gearbeitet. Er war es, der durch sein parlamentarisches Wirken und seine privaten Bemühungen eine günstige Stimmung für diese Einigung in Süddeutschland anbahnte; er war es auch, der diese Stimmung und Neigung bei der maßgebenden Leitung in Norddeutschland zu verwerthen wußte. Und nun, da durch den glücklichen mittelst vereinter Kraft geführten Krieg das Ziel der vollen Einigung nahe gerückt schien, war Niemand mehr als Laster berufen, alle Schwierigkeiten, die sich aus dem Widerstreit der parlamentarischen Meinungen ergeben möchten, durch das Gewicht seines Worts und seines Einflusses hinwegzuräumen. Fehlte es doch durchaus nicht an parlamentarischen Einwänden in den Tagen, da es galt, die gewonnenen Erfolge zu sichern. Als zunächst am 26. November, zwei Tage nach Eröffnung des Reichstages, der Gesetzentwurf, betreffend den ferneren Geldbedarf für die Fortsetzung des Krieges und die Herstellung vertheidigungsfähiger Grenzen, berathen wurde, verbreitete sich Lasker mit einem Nachdruck, den er selten mit solcher Härte handhabte, über Frankreichs eingefleischte Friedensstörung und widerlegte mit großer Schärfe den Einwurf, daß die Urheber des Krieges, die französischen Machthaber nunmehr gestürzt seien, das französische Volk aber unschuldig am Kriege wäre. Mit großer Beredsamkeit legte er dem Reichstage die Pflicht nahe, der Regierung neue Geldmittel zu bewilligen, damit sie nicht früher das Schwert in die Scheide stecke, als bis Garantien gegen die Willkür des französischen Nachbarn gewonnen wären. - Diese Garantien seien die Wiedereroberung der Grenzen, welche Deutschland Sicherheit geben und das französische Volk