Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 74 (sequence 1)
- Language
- German
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74 Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. Eduard Lasker. V. WUenn wir der deutschen Nation mit Gottes Hilfe die Weltstellung gewinnen, zu der ihre geschichtliche Aedeuiung, ihre Stärke und ihre friedfertige Gesinnung sie berufen und befähigen, so wird Deutschland den Antheil nicht vergessen, den dieser Reichstag an dem Werke hat und für den ich Ihnen, geehrte Herren, wiederholt meinen besten Dank ausspreche." Mit diesen Worten der Thronrede wurde am 26. Mai 1870 der erste ordentliche Reichstag des norddeutschen Bundes geschloffen. Lag es nun schon in der Natur des französischen Volkes, diesen veränderten Zustand der deutschen Nation nicht zu gestatten, so waren es außerdem noch dynastische, den französischen Kaiser persönlich ängstigende Sorgen, welche ihn bestimmten, die neue Organisation Deutschlands zum Anlaß eines Krieges zu nehmen, der unter dem denkbar nichtigsten Vorwände am 19. Juli von Frankreich an Deutschland erklärt wurde. Noch an demselben Tage trat, eiligst berufen, der Reichstag zu einer außerordentlichen dreitägigen Sitzung zusammen, in welchem er die Mittheilung der Kriegserklärung entgegennahm und den Gesetzentwurf, betreffend den außerordentlichen Geldbedarf der Militär- und Marineverwaltung ohne Debatte genehmigte. Lasker fehlte bei der Eröffnung des Reichstags und der Präsident zeigte dies mit den Worten an: „Der Abgeordnete Lasker hat sofort nach Empfang der Nachricht von der Berufung des Reichstags seine Rückreise nach Berlin angetreten. Der Zug hat aber den Anschluß versäumt, also daß er erst heute um 1 Uhr hier einzutreffen im Stande ist".