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Im deutschen Reich · 1898-01-01 · Heft 1 (Januar 1898) · p. 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 1 (Januar 1898)
Article
Umschau
Date
1898-01-01
Page
35 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 85 staatserhaltenden Parteien geworden ist, ihre gegenseitigen Unterscheidungen so weit wie nur irgend möglich zurückzustellen hinter der sie einigenden, ihnen gemeinsamen Grundlage der Anerkennung unserer bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Die „Hannoversche Post" vertritt mit einem Wort die Politik der Sammlung aller staatserhaltenden Parteien. Die „Hannoversche Post" wird fortan nicht einseitig das Programm einer bestimmten Partei vertreten, sondern stellt sich unparteiisch in den Dienst aller jener Bestrebungen, die eine Sammlung der staatserhaltenden Parteien unseres Volkes zum gemeinsamen Kampfe für die wirthschaftlichen und geistigen Errungenschaften Deutschlands zum Ziel haben." Die Vorgänge in Oe st erreich haben gezeigt, wie zerrüttend „die gefahrdrohend wachsende Verhetzung weiter Volkskreise" durch die Antisemiten wirkt. Das Ministerium Gautsch steht anscheinend den unter seinen Vorgängern geschaffenen Verhältnissen rathlos gegenüber. Es war bisher so wenig in der Lage, die gesteigerten Anforderungen der österreichischen Antisemiten zu genügen, daß das „Deutsche Vokksblatt" deshalb bereits von einer „jüdischen Nebenregierung" fabelte. Selbst der antisemitische Bürgermeister Wiens zeigt sich jetzt erschreckt über die-Drachensaat, die er doch mit verschuldet hat, selbstverständlich ohne zu ahnen, daß die Radikal-Nationalen von denselben Nutzen ziehen und daß in dem einmal angefachten Religionsstreit die Geschosse weit über die Juden hinaus Verwüstungen anrichten könnten. In einer Wählerversammlung in Rudolfsheim sagte er nach einigen Ausfällen gegen die Schönerer-Gruppe: „Man scheint sich überall dem Terrorismus beugen zu wollen. Auf dem akademischen Boden der Universität wird „von dem ewigen Feind in Rom" u. s. w. gesprochen. Es ist die alte Geschichte, daß die Deutschen in Folge ihrer religiösen Streitigkeiten wiederholt von äußeren und inneren Feinden hart bedrängt waren, und daß wegen der religiösen Streitigkeiten das deutsche Blut in Strömen floß, und nun kommen junge, unbeholfene Menschen und predigen und fachen den Streit von Neuem an. Ich stehe auf dem Standpunkt der vollständigen religiösen Duldsamkeit (?!), ich habe keinRecht, mich in die religiösen Angelegenheiten meines Nachbars hineinzumischen, das soll er mit seinem Herrgott allein au 8 machen. Ich schäme mich durchaus nicht, zu bekennen, daß ich ein Katholik bin, daß ich einen Glauben besitze, der mir nie schaden, sondern nur nützen kann. Und deswegen verlange ich, daß man mir den Glauben laffe und auch die Anderen nicht belästige." 3

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