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Im deutschen Reich · 1898-01-01 · Heft 1 (Januar 1898) · p. 34

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 1 (Januar 1898)
Article
Umschau
Date
1898-01-01
Page
34 (sequence 6)
Language
German
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34 Im deutschen Reich. zählt und die häßlichsten Lieder gegen die katholische Religion gedichtet" als erfunden bezeichnet und Versichert habe, seit seinem ersten politischen Auftreten entschiedenster Gegner des Kulturkampfes gewesen zu sein und niemals Lieder gegen die katholische Religion gedichtet zu haben. Das katholische Blatt fügte aber hinzu: „Wer nun die Gedichte von Liebermann von Sonnenberg zur Hand nimmt, wird S. 22 die betreffenden Kulturkampf-Verse finden. Aber noch mehr: Herr Liebermann bestätigt selbst den bestrittenen Kulturkampf in dem Vorwort zur 3. Auflage." Esfist auch nicht unbemerkt vorübergegangen, daß die von Gesinnungsgenossen Liebermann's neuerdings in Bayern unternommenen Versuche, den Antisemitismus in die Arbeiterkreise hineinzutragen, sich ebenso gegen den Katholizismus wie gegen das Judenthum richteten. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" berichteten darüber: „Das in Neuhausen-Nymphenburg verbreitete Flugblatt enthält das Programm des nur auf wirths ch a s t l i ch e n Antisemitismus sich gründenden Arbeitervereins. Einige Proben daraus dürften genügen, diese neue Seite des Antisemitismus in's richtige Licht zu stellen. „W i r sind radikale Gegner der katholischen Arbeitervereine und der Sozialdemokraten, da wir als Arbeiter nicht um Religion oder Atheismus, um Monarchie oder Republik, sondern einzig um Besserung unserer Lage gegen das Großkapital kämpfen müssen." Offenbar erweist sich auch bei diesen Versuchen der Antisemitismus als die Vorfrucht der Sozialdemokratie, welcher derselbe auch aller Wahrscheinlichkeit nach durch Aufstellung zahlreicher aussichtsloser Sonderkandidamren bei den nächsten Reichstagswahlen zu einer großen Zahl von Mandaten verhelfen wird. Wenn auch Ahlwardt in der am 15. Dezember im Reichstage gehaltenen Rede, welche die Anwesenden zu stürmischen ' Heiterkeitsausbrüchen veranlaßte, gegen die sozialdemokratischen Lehren polemisierte, so kann doch die von ihm und seinen Genoffen außerhalb des Reichstages verrichtete Wühlarbeit nur den Gegnern der jetzigen Staats- und Gesellschaftsordnung zu Statten kommen. Diese Erkenntniß hat unter Anderem dazu gedient, die bisher stramm-antisemitische „Hannoversche Post" zu einem Wechsel der Farbe zu zwingen. Dieselbe erklärte am 27. Dezember: „Die „Hann. Post" ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß dem wahren Interesse unseres Volkes durch die zeit- und kraftraubende gegenseitige Befehdung der Parteien nicht genützt wird; daß es gegenüber der gefahrdrohend wachsenden Verhetzung weiter Volkskreise durch die grundsätzlichen Feinde aller Autorität und alles historischen Rechts eine unabweisbare Pflicht aller

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