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Im deutschen Reich · 1898-01-01 · Heft 1 (Januar 1898) · p. 30

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 1 (Januar 1898)
Article
Umschau
Date
1898-01-01
Page
30 (sequence 2)
Language
German
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30 3m deutschen Reich. wärts den Schlamm hinwegzuspülen, den die Schürer des Rassen-, Klaffen- und Religionshaffes seit zwei Dezennien rastlos aufgewühlt haben. Am 3. d. M. waren zwanzig Jahre verflossen, seit jenem Tage, an welchem Adolf Stöcker im hohen Norden Berlins, im „Eiskeller" zum ersten Male für die sogenannte „christlich-soziale" Sache öffentlich auftrat, wobei er zunächst nur ein staatssozialistisches Programm entwickelte. Bald darauf schnitt aber der damalige Hofprediger die sogenannte „Judenfrage" an und rief damit Geister wach, die zu bannen er später weder die Kraft noch Den Willen hatte. Der unheilvolle Einfluß, den er Jahre hindurch auf breite Bevölkerungsschichten ausgeübt hat, ist erst nach dem Bekanntwerden des „Scheiterhaufenbriefes" an maßgebender Stelle erkannt worden, und erst in der allerneuesten Zeit hat sich auch die evangelische Generalsynode von dem Manne abgewendet, dessen brennender Ehrgeiz Politik und Religion zum Nachtheile beider in bedenklichster Weise verquickte. Ueber die Niederlage, die Stöcker bei dem Streit um den sozialen Erlaß des Oberkirchenraths kürzlich erlitt, schrieb die „Köln. Volkszeitung" am 18. v. M.: „Es unterliegt keinem Zweifel mehr und ist für Jedermann am Tage, daß Herr Stöcker auf kirchlichem Gebiete jetzt genau, ebenso isoliert dasteht, wie bereits auf politischem Gebiete. Er hat in der That nunmehr auf der ganzen Linie abgewirthschaftet." Das ist eine Thatsache, welche durch das im „Eiskeller" zu Berlin gefeierte zwanzigjährige Stiftungsfest der „Christlich-socialen Partei" nicht widerlegt worden ist, denn dieses Fest erinnerte durch seine ganze Jnscenierung bedenklich an die für Ahlwardt gemachte Reklame. Es fehlte nicht der obligate Riesenlorbeerkranz, den in diesem Falle die „letzte Säule" der Bürgerpartei im Rothen Hause, Pretzel, überbrachte, es wurde auch durch die von dem Oberpfarrer von Haustein dem „Hofprediger aller Deutschen" gewidmeten Jubelrufe Stöcker dem „Rektor aller Deutschen" an die Seite gestellt. Die Anwesenheit vieler Geistlichen konnte den mit den Verhältnissen einigermaßen Vertrauten nicht befremden. Wie aber die maßgebenden Kreise sich nicht nur zu dem einzelnen Manne, sondern dem ganzen System stellen, darauf deutet eine Erklärung, welche schon vor der Erörterung des sozialen - Erlasses in der vierten Generalsynode in Berlin, aus Anlaß einer Anregung des Professors Dr. Warneck, der Uuterstaatssekretür Humbert am 6. Dezember abgegeben hat. Derselbe bezeichnete nämlich den Vorschlag, die Mittel zur kirchlichen Versorgung der deutschen evangelischen Bevölkerung in Deutsch-Ostafrika auf Kosten des Reiches

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