Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Fürst Bismarck und der Antisemitismus
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 18 (sequence 4)
- Language
- German
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18 3tn deutschen Reich. vermehren. Den Hauptgrund des Aergers über die Juden bildet die größere Erwerbsfähigkeit derselben. Der Jude ist, wenigstens so lange er noch kein Vermögen erworben hat, arbeitsamer und sparsamer als viele seiner christlichen Mitbewerber. Und selbst wenn er reich geworden ist, bleibt er sparsamer, so lange ihn die Nmommiersucht nicht erfaßt. Junge Israeliten, die in Liederlichkeit, Spiel und Gelagen sich und ihr Vermögen zu Grunde richten, sind verhältnißmäßig selten. Andererseits erklärt sich die größere Fähigkeit der Juden zum Gelderwerb daraus, daß sie finanziell mehr wagen. Der Jude mag im Kugelregen vielleicht nicht tapferer und kühner sein als der Christ, aber bei Geschäftsunternehmungen ist er entschieden couragierter. Ist aber der Jude mit einer größeren Fähigkeit für den Gelderwerb dotiert, so wird man diese Begünstigung nicht durch fortwährende Deklamationen über die Schädlichkeit dieser Naturgabe beseitigen können. Schreien über einen Schaden nityt nichts; man muß Mittel zu seiner Abstellung anzugeben wissen. Und das vermissen wir bisher an der antisemitischen Agitation." Jedenfalls hat die „Staatsbürger-Ztg." nicht Unrecht, wenn sie bei Besprechung dieser Aeußerung sagt: „Fürst Bismarck behandelt politische Fragen von dem größeren nationalen Gesichtspunkte und läßt sich deshalb nicht in das Schlepptau irgend einer bestimmten Partei nehmen." Den Versuch, ihn in ein solches Schlepptau zu nehmen, haben aber die Antisemiten oft genug gemacht und vielleicht hat das Wiener Blatt das Interview vom Jahre 1892 nur deshalb jetzt wieder aufgesrischt, um den Antisemiten die Lust zu verleiden, die VolkSthümlichkeit des greisen Altreichskanzlers demnächst wieder für ihre Wahlagitation auszubeuten. Offenbar theilt die „Kons. Korrespondenz" diese Ansicht, denn in einem von der „Nordd. Allg. Ztg." am 6. Januar wiedergegebenen Artikel derselben heißt es: „Auf antisemitischer Seite sucht man unter Berufung auf den Namen des Fürsten Bismarck Parteigeschäfte zu machen. Diesem Unfug kann nicht nachdrücklich genug entgegengetreten werden. Wie man in Friedrichsruh von den antisemitischen Quertreibereien denkt, geht aus einem Artikel. der „Hamburger Nachrichten" vom 16. Dezember v. I. hervor. In diesem werden die Antisemiten ein „Element der Zersetzung, einer Zersetzung, die