Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Fürst Bismarck und der Antisemitismus
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 17 (sequence 3)
- Language
- German
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Fürst Bismarck und der Antisemitismus. 17 than zu sein. Schließlich sprach der Fürst über sein persönliches Verhältniß zu den Juden und äußerte: Eigentlich habe er Undank von ihnen geerntet. Kein Staatsmann habe mehr für ihre Emanzipation gethan, als gerade er. Trotzdem hätten ihn gerade diejenigen fortschrittlichen und radikalen Blätter, die in jüdischen Händen seien, immer am .heftigsten angegriffen. Andererseits habe er auch manchen Zug jüdischer Dankbarkeit erlebt. So habe er, als er noch in Pommern sein Gut bewirthschaftet habe, wie alle dortigen Grundbesitzer, seinen Hofjuden gehabt. Eines schönen Tages sei derselbe in Konkurs gerathen und sei zu ihm gekommen, um ihn zu bitten, er möge eine Forderung, die er an ihn habe, nicht mit anmelden, dann käme er ohne Bestrafung davon. Er (der Fürst) habe es ihm versprochen und seine Forderung ausfallen laffen. Der alte Mann habe seine Dankbarkeit später so geäußert, daß er, nachdem er sich in seinen Verhältniffen -erholt hatte, ihm alljährlich Abzahlungen gemacht hätte, zu denen er kaum noch verpflichtet gewesen sei, und dies so lange fortgesetzt habe, bis er (der Fürst) aus der Gegend weggezogen sei und er ihm gesagt habe: „Nun ist es genug, streichen wir den Rest." Die antisemitischen Blätter betonen bei Besprechung dieses Artikels, daß derselbe nur die Auffrischung eines bereits im Frühsommer 1892 veröffentlichten Interviews sei. Bald darauf, am 23. Juli 1892 hätten die „Hamb. Nachrichten" einen Artikel gebracht, in welchem die Ansichten Bismarck's über die Judenfrage richtiger dargelegt worden feien. Dieser in Joh. Penzler's „Fürst Bismarck nach seiner Entlastung" wiedergegebene Artikel enthält aber ebenfalls ein absprechendes Urtheil über die antisemitische Bewegung. Es heißt darin: „Die Antisemiten heben die dem Gemeinwesen nachtheiligen Eigenschaften der Juden scharf hervor, aber Wege zur praktischen Abhülfe zeigen sie nicht. Was bisher von dieser Seite in Vorschlag gebracht worden ist, würde, selbst wenn sich eine Negierung fände, die es ausführte, das Uebel, das den Klaggrund bildet, nur verschlinimern. So z. B. würden sich diejenigen intelligenten jüdischen Elemente, die von der richterlichen und Anwaltslaufbahn ansgeschloffen würden, dann dem Handel und sonstigen Erwerb zuwenden und dadurch die wirthschastliche Mackt der Juden noch