Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Fürst Bismarck und der Antisemitismus
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316639-2321743--03490-2321840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fürst Bismarck und der Antisemitismus. 19 nur der radikalen Linken zu Gute kommen kann", genannt und wird betont, daß man schon vor Jahren bei einer Nachwahl in Pommern Gelegenheit hatte, „die hochgradige Unzuverlässigkeit der Antisemiten" kennen zu lernen. Ferner heißt es in dem bemerkenswerthen Artikel: „Gelingt es, die Vertreter der verschiedenen Gruppen unseres nationalen Wirtschaftslebens gegenseitig an eine gerechte Würdigung ihrer Jntereffen zu gewöhnen, und sie, was die Beurtheilung von Reichs wegen zu ergreifender handelspolitischer Maßnahmen anlangt, auf einer mittleren Linie zu vereinigen, so darf davon auch ein fördernder Einfluß auf die politische Wiederannäherung aller wirklich nationalgesinnten Kreise erhofft werden. Erste Vorbedingung einer solchen Entwickelung ist natürlich, daß man demagogische Extravaganzen jeder Art zu verhindern trachtet. In dieser Erkenntniß haben die Konservativen im Königreich Sachsen schon vor Jahren jede Verbindung mit der antisemitischen Partei gelöst. In der antisemitischen „Deutschsozialen Resormpartei" befinden sich viele, namentlich konservative Elemente, die nur in einem Zustande politischer Verwirrung in das Fahrwasser einer Bewegung gerathen sind, welche sich in ihren tatsächlichen Wirkungen von der sozialdemokratischen nur zu oft kaum noch unterscheidet." Mit diesen Worten ist für Alle, welche in dem Alt-Reichskanzler den getreuen Eckart erblicken, der im Sachsenwalde mit scharfem Blicke über die Geschicke des deutschen Vaterlandes wacht, das U r t h e i l über die antisemitische Bewegung gesprochen." Dieses Urtheil wird in keiner Weise durch die von dem Eigentümer der „R. Bayr. Landeszeitung", A. Memminger in Würzburg, veröffentlichten Aeußerungen des Fürsten abgeschwächt, in welchem der letztere sich über seine Beziehungen zu Bleichröder und Stöcker offen aussprach. Roch weniger verfängt das Verlegenheitsmittel eines Theils der antisemitischen Presse, sich aus Aeußerungen des Herrn von Bismarck aus seiner Jugendzeit zu berufen. Einzelne antisemitische Blätter sagen sich deshalb offen von ihren früheren Heros los und ein Dr. H. schreibt sogar im „Deutschen General-Anzeiger", daß Bismarck noch nicht einmal die not h dürftigste Anfangsperiode des Antisemitismus gelernt hat." - 2'