Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 3m deutschen Reich. aus, daß von jüdischer Seite nichts geschehen dürfe, um die anscheinend zusammensinkende Gluth nicht neu zu schüren. Als dann die Konservativen sich den Antisemitismus zu eigen machten und das Tivoli-Programm aufstellten, wurde bic. Notwendigkeit einer gesteigerten Aktion nicht verkannt. Dies führte dann auch nach längeren Verhandlungen zu einem Aufgehen des Dezember-Komitees in das noch jetzt bestehende Komitee zur Abwehr des Antisemitismus. In zahllosen Versammlungen ist von den Antisemiten aber immer wieder „die Judenfrage" diskutiert worden; in massenhaften antisemitischen Zeitschriften, Broschüren, Flugblättern ist das Judenthum rastlos bekämpft worden; beständig wuchs die Zahl der Wanderredner, die dort, wo Juden wohnten, dieselben geschäftlich und gesellschaftlich zu boykottieren suchten und, wo wenige oder gar keine Juden vorhanden waren, wie in vielen Orten in Sachsen und Schleswig-Holstein das gläubigste Auditorium fanden, weil dort die Grundlosigkeit der Verleumdungen schwerer erkennbar war. Die Ursache, daß die maßgebenden Kreise dieser Wühlerei ruhig zusahen, war wohl die von antisemitischer Seite genährte Täuschung, der man sich lange hingab, durch den Antisemitismus der Sozialdemokratie den Boden abgraben zu können. Daß dies weder die Absicht der Antisemiten war, noch ihrer Fähigkeit entsprach, hat man zuerst dort eingesehen, wo die antisemitische Bewegung Dank der geringen Zahl und der Zurückhaltung der jüdischen Bevölkerung die größten Erfolge errang, nämlich im Königreiche Sachsen. Nachdem die Antisemiten dort den Sozialdemokraten nichts angethan und nur in konservativen Kreisen Mandate ergattert hatten, schnitten die sächsischen Konservativen zwischen sich und der deutsch-sozialen Reformpartei das Tischtuch entzwei, leider, ohne deshalb zunächst den so wenig staatserhaltenden Antisemitismus zu verleugnen. Was die deutschen Juden vorzugsweise veranlaßte, für ihre Vertheidigung keine Hand zu rühren, war die Verehrung für die hochgesinnten christlichen Männer, welche in der Zeit ernster Bedrängnisie mannhaft für die Mitbürger jüdischen Glaubens eintraten. Unvergesien soll es bleiben, daß Männer wie Rudolf von Gneist, Dubois-Reymond, Georg von Bunsen, Mommsen, Rickert u. A. m. die Abwehr des Antisemitismus für ihre Menschenpflicht hielten, unvergesien, was der „Verein zur Abwehr des