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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 644

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1897-12-01
Page
644 (sequence 4)
Language
German
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644 3m deutschen Reich. eine poetische deutsche Uebersetzung des Buches der Könige, und in jener Zeit entstanden durch Juden auch noch weitere gereimte Bibelübersetzungen. Wie einzelne von dem Redner zum Vortrag gebrachte deutsche Dichtungen bewiesen, ist der jüdische Minnesänger Süßkind von Trimberg (leitender Arzt im Würzburger Leprosenhause) nicht mit Unrecht dem Walther von der Vogelweide an die Seite gestellt worden. Der Vortragende betonte, daß die deutschen Juden nicht nur im Mittelalter, sondern auch in der neuesten Zeit stets Träger der deutschen Kultur gewesen und sich als Pioniere des Deutschthums im Auslande bewährt haben. Dafür hätten sie noch in den letzten Tagen in Prag geblutet, während sie in Wien von Deutschen an gefeindet wurden. Sie würden aber jetzt und künftig beweisen, daß nicht Abstammung und Religion, sondern Sprache, Sitte und Gesinnung für die Nationalität maßgebend seien und daß man sie deshalb als wahre Deutsche gelten lasten müsse. — Dem lebhaften Beifall der Zuhörer Ausdruck leihend, bemerkte sodann der Vorsitzende, daß, wenn die Juden sich schon im Mittelalter solche Anerkennung zu erringen gewußt hätten, es jetzt doch ganz selbstverständlich sei, daß sie jetzt ihre Ansprüche auf staatsbürgerliche Anerkennung in die Sprache des Rechts zu übersetzen streben. Herr Dr. Wiesentha! meinte, die mit Bienenfleiß gesammelten Beweise für die deutsche Gesinnung der Juden im Mittelalter müßten zur mannhaften Abwehr derjenigen Vorurtheile mahnen, die in unserer Zeit durch Ritualmord- und Fleischbesudelungs-Prozesse wieder grell hervorgetreten seien. Den Leitern des Central-Vereins habe man zu danken, daß sich Tausende deutscher Juden zur Selbstvertheidigung gegen solche Angriffe einten; der Verein werde noch Größeres als bisher leisten, wenn alle Glaubensgenossen der Pflicht bewußt würden, zu ihm zu stehen. Für die dem Vorstande gezollte Anerkennung dankend, gab Herr Rechtsanwalt Di'. Horwitz dem Wunsche Ausdruck, daß die der Vereinssache wesentlich nützenden Gruppenversammlungen sich eines verhältnißmäßig ebenfo. starken Besuches wie die allgemeinen Versammlungen erfreuen möchten. In den ersteren laste sich eine intensivere Werbearbeit vollziehen und manche nützliche Anregung geben- An einem Beispiele wies der Redner nach, wie gerade diese Versammlungen dem Vorstande die erwünschte Gelegenheit bieten, über sein Thun und Lassen Aufschluß zu ertheilen. Nachdem Herr Rechtsanwalt Di-. Max Lewinson die Wichtigkeit betont hatte, neben der Pflege des Deutschthums das Judenthum nicht in den Hintergrund treten zu lasten, und Herr Rechtsanwalt Rudolf Hahn das einträchtige Zusammenwirken der Träger der

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