Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 628 (sequence 8)
- Language
- German
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628 3m deutschen Reich. rvaltung einer Lueger goldene Zeiten verheißen haben, werden sich kaum jetzt noch nach Segnungen sehnen, wie solche dort durch dieses Regiment herbeigeführt worden sind. So werden auch bald genug die Lobpreisungen verstummen, welche sie jetzt den Rumänen zollen, welche die ihnen durch den Berliner Frieden aufgenöthigte Verpflichtung der Judenemanzipation dadurch zu umgehen versuchen, daß sie die große Mehrzahl der in Rumänien wohnenden Juden, denen sie selbst die Naturalisation unmöglich machten, einfach als Ausländer erklären, sie von der Militärpflicht entbinden und dafür zu einer Wehrsteuer heranziehen. Gegen diese Herabwürdigung wehren sich die rumänischen Juden mit allen ihnen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln, aber die fanatisierte akademische Jugend Bukarests scheint darin nur die Einmischung Fremderen innere rumänische Angelegenheiten zu sehen, so daß es bereits in Bukarest und anderen rumänischen Städten zu Verwüstungen und Plünderung jüdischer Häuser und anderen Exzessen gekommen ist, welche das Einschreiten der Gendarmerie und zahlreiche Verwundungen und Verhaftungen zur Folge hatten. So geht ein finsterer Geist auch durch das kaum gefestigte rumänische Staatsgebäude, von dem in mancher Beziehung sicher dasselbe gilt, was der Wiener Feuilletonist Ludwig Speidel kürzlich von seinem österreichischen Vaterlande sagte: „Jedem Versuche einer Reformation folgt eine Gegen-Reformation. Viel fröhlich aufsprossender Same des Guten ist schon wie oft gewaltsam niedergeschlagen worden. Aller massenhaft angehäufte Haß und Neid scheint sich gegenwärtig wider das Judenthum entladen zu sollen. Und doch — die Hand auf's Herz! — wie Viele von uns müßten das beste Stück ihrer selbst hinwegwerfen, wenn sie vergessen wollten, was sie, sei es in der Religion, sei es in der Wissenschaft oder im Leben, den Juden verdanken. Den Winkelreformen der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber haben die Juden große Systeme geliefert und zugleich die aufopferungsvollen Männer gestellt, welche die neuen Lehren in die Wirklichkeit einzuführen trachten und durch die That und den Widerstand, die ihr« Thal hervorruft, die künftigen Geschicks der Völker bestimmen helfen." — Wenn die Rumänen ihre Juden wirklich zu Fremden machen, werden sie sich wahrlich nicht nur die Juden, die sie so haben, wie sie sie verdienen, sondern alle Bessergesinnten entfremden. UrbrigenS haben die antisemitischen Ausschreitungen in Bukarest, bei denen auch gegen Unterthanen fremder Staaten Gewaltthätigkeiten verübt worden sind, bereits dazu geführt, daß die beim rumänischen Hose beglaubigten diplomatischen Vertreter unter Vortitt deS russischen Gesandten gemeinschaftlich ihr Bedauern über die fraglichen Vorfälle und die Erwartung auS-