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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 625

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Umschau
Date
1897-12-01
Page
625 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 626 kämpfung dieses Kandidaten muß dort sehr groß sein, da sie bereits versucht haben, diesen Sohn eines evangelischen Geistlichen als „jüdischen Rechtsanwalt" in ihrer bekannten Weise zu klassifizieren. In Berlin ist in der am 26. November stattgehabten Versammlung der Versuch gemacht worden, den „Deutschen Antisemitenbund" wieder ins Leben zu rufen und dadurch die Bewegung wieder in Fluß zu bringen. Wie dabei betont wurde, sollte nicht nur bei politischen Wahlen, sondern auch auf kommunalem Gebiete eine größere Thätigkeit entwickelt werden. Der in den Vorstand des wieder aufgefrischten „D. A. B." gewählte Redakteur der „Staatsbürger-Ztg.", Joh. Wilberg, hat denn auch am 1. Dezember in einer Versammlung des Neuen Louisenstädtischen Bürgervereins durch eine Philippika gegen die Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenschaft sich nach dieser Richtung hin besonders thätig gezeigt. Eine an den Berliner Anschlagsäulen „auf blauem Grunde angekündigte Volksversammlung, welche der „D. A. B." am 30 Nov. im Feuersteinschen, Saale veranstaltete, war von kaum 100 Personen besucht. In dieser Versammlung referierten der Abg. Ludwig Werner wider die konservative „Partei der verpaßten Gelegenheiten" und der Redaktaur der Staatsbürgerzeitung" H. Wilberg seltsamer Weise gegen den opulenten Inserenten Wertheim! Die verflossenen Stadtverordneten-Wahlen haben bereits gezeigt, wie sich die politischen Leidenschaften auch auf dem kommunalen Gebiete geltend zu machen suchen und daß es des festen Zusammenhaltens aller Wohlgesinnten bedarf, um wenigstens dieses Gebiet nicht wie in Wien zu einem Tummelplatz solcher Leidenschaften werden zu lassen. Den einzigen Sitz, den die antisemitische Bürgerpartei noch in Berlin besaß, hat dieselbe behauptet, da bei der Stichwahl am 26. November der Fabrikant Pretzel im dritten Wahlbezirke wiedergewählt wurde. Daß aber der Antisemit trotz der von seiner Partei entfalteten überaus lebhaften Agitation in einem Wahlbezirke, in welchem weniger Juden als in irgend einem anderen Bezirke Berlins wohnen, n u r v i e r S t i m m e n mehr erran g als sein liberaler Gegner, Bezirksvorsteher Druhm, beweist deutlich, daß die christliche Bevölkerung Berlins sich nach keiner kommunalen Wirthschaft im Lueger'schen Stile sehnt. Auch in vielen anderen Städten erwies sich der Ausfall der städtischen Wahlen als den Antisemiten wenig günstig. Weil dies besonders in den östlichen Provinzen der Fall war, haben sich die antisemitischen Parteiblätter beeilt, die deutsche Gesinnung der dortigen jüdischen Bevölkerung zu verdächtigen. Die „Tägliche Rundschau" war aber ehrlich genug, zu bekennen, daß z. B. in Kulm die Polen vorher viele Ver- 41'

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