Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 624 (sequence 4)
- Language
- German
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024 Im deutschen Reich. der freien Hand treiben und bei den nächsten Reichstagswahien überall eigene Kandidaten aufstellen. Die von Liebermann -für eine Unterstützung des Berliner Bürgervereins gestellte Bedingung, daß Herr v. Langen von der Vereinsleitung entfernt werde, wurde von der „Kons. Correspondenz" als „lächerliche Anmaßung" bezeichnet. Dies veranlaßte das Stöckerblatt „Volk" zu der Bemerkung: „Was bleibt denn von Konservativen übrig in Berlin, wenn Christlich-Soziale und Antisemiten nicht mehr mitmachen? Aus Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsräthen kann man doch keine Partei bilden." Um den Wirrwarr vollständig zu machen, zeigt neuerdings der Bund der Landwirt he, angesichts der Abneigung vieler Konservativen gegen demagogische Juden- und Junkerhetzen, wieder Lust, sein Programm wegen der sogenannten kleinen Leute'mit einigen Tropfen demokratischen Oels zu salben, von den Gouvernementalen abzurücken und sich den Reformern mehr als bisher zu nähern. Die über diese Wahrnehmung tief entrüstete „Kreuzzeitung" sagte aus Anlaß einer Aeußerung der „Deutschen Tageszeitung" über die Reichstags - Kandidatur Sedlatzeks im Wahlkreise Dramburg-Schivelbein: „Wozu die Beschönigung der Kandidatur des Herrn S e d l a tz e k, für den die „Deutsche Tageszeitung" doch unmöglich Sympathien haben kann, und die Bemerkung über die Konservativen? Wer auch immer, sei es in Dramburg-Schivelbein oder in anderen Wahlkreisen, als Kandidat der Konservativen aufgestellt wird, steht auf dem Boden des Tivoli- Programms." Das Organ des Bundes der Landwirthe scheint in dieser Beziehung besser informiert zu sein. Jedenfalls wird es in denjenigen Wahlkreisen, wo die radikalsten Antisemiten aufgestellt werden, auch am schärfsten hergehen. In dem seit dem Dezember 1892 durch A h l w a r d t vertretenen Reichstagswahlkreis Friedeberg-Arnswalde kandidirt der konservative Landtags - Abgeordnete Ring - Düppel. Für den durch den radikalen Antisemiten vr. B ö ck e l bisher vertretenen Wahlkreis Marburg haben die Anhänger Liebermann's den Landrath Wiegand in Aussicht genommen, und durch den Gutsbesitzer Aschendorf hoffen sie dem bisherigen Abg. Dy. Paul Förster, der sich Hans von Mosch zugesellt hat, das Mandat des Neustettiner Wahlkreises abzujagen. Besonders interessant dürfte sich der Wahlkampf in vem Kreise Schmalkalden-Eschwege-Witzenhausen gestalten, den früher der bekannte Hans Leuß und zuletzt der antisemitische Pastor I s k r a u t im Reichstage vertrat. Dort wurde als Kandidat der freisinnigen Volkspartei der Rechtsanwalt Dy. Helff aus Frankfurt a. M. aufgestellt. Die Verlegenheit der Antisemiten in der Be-