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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 623

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Umschau
Date
1897-12-01
Page
623 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 623 Wahlparole zu Gunsten der Konservativen bei Stichwahlen nicht folgen, sondern sich in jedem Falle dem „I u n f e r g « g n e r" zuwenden, . so ist das der beste Beweis dafür, daß die antisemitische Agitation nicht staatserhaltend, sondern zersetzend wirkt. Nicht mehr die „antisemitischen Ausschreitungen" also sind es, die von den Konservativen bekämpft werden müssen, sondern die antisemitische Klassenverhetzung überhaupt. Die „antisemitischen" Allüren sind bei der Reformpartei längst j u d e n - freundlich-demokratischer Agitation gewichen." Wenn man von der Lächerlichkeit absieht, den Antisemiten „Judenfreundlichkeit" vorzuwerfen, muß man doch zugeben, daß die Warnung vor den „Junkergegnern" nicht ganz unbegründet ist. Unverkennbar haben es die Herren Reformer auf die Vernichtung der konservativen Partei abgesehen, um die Trümmer derselben für sich zu verwenden. In der „Deutschen Volksmacht" der marinefeindlichen hessischen Abgeordneten Hirschel und Köhler wurde am 10. November d. I. gesagt: „So wenig wir für den Freisinn übrig haben, so empfinden wir doch lebhafte Genugthuung über diese erneute Niederlage der Konservativen. Denn diese Partei ohne Charakter und ohne Ueberzeugung gehört nicht in eine Volksvertretung, eine Partei-, deren höchstes Bestreben ist, dem Volke alle Rechte wieder zu nehmen, muß aus der Vertretung des Volkes verschwinden. Mit den Konservativen hat der Bund der Landwirthe eine zerschmetternde Niederlage erlitten, das hat er davon, wenn er sich mit einem Leichnam verbindet." Und da hofft die „Kreuzzeitung" immer noch, Herrn Liebermann dafür zu gewinnen, seine Genosien um den Preis einer neuen gemeinsamen Judenhetze zu ihren Schleppenträgern zu machen? Durch die Reihen der Antisemiten geht jetzt der Geist, der schon vor vier Jahren den antisemitischen Abg. Böckel veranlaßte, im „Reichsherold" zu künden: „Mit dem Geschrei „ G e g e n Juden" allein kann man in unserer Zeit des wirthschaftlichen Verfalls und der drohenden Herrschaft des. Kapitalismus keine leistungsfähige politische Partei bilden. Wer das glaubt, der irrt sich. Was wir brauchen, ist eine selbstständige, volksthümliche Mittelstandspartei; Junker- und Manschettenbauerpolitik kann uns ebenso wenig retten, als Geldprotzen- und Judenpolitik. . . Die Hauptsache sei: Fort mit dem eingebildeten, hochnäsigen Geld- und Adelsprotzenthum." Dieser Strömung folgend, hat Liebermann von Sonnenberg jetzt anscheinend auf den Ausgleich mit der Kreuzzeitungs- Partei endgiltig verzichtet und am 23. November in der Leipziger Centralhalle erklärt, die deutsch-soziale Reformpartei werde eine Politik 41

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