Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 622 (sequence 2)
- Language
- German
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622 Im deutschen Reich. machen, bei der Verfolgung ihrer demagogischen Ziele um ihre Existenz. Um der gemeinsamen Sache willen werden sie daher den Kampf gegen die Konservativen gewiß nicht aufgeben. Selbst mit dem deutschen Freisinn und der Sozialdemokratie wird noch ein ehrlicherer Kampf möglich sein als mit ihnen. Wir begreifen daher nicht, wie die Konservativen Preußens sie noch immer dilatorisch behandeln können, anstatt den Bruch mit ihnen in aller Entschiedenheit zu vollziehen." Die Lösung dieses Näthsels liegt nahe genug; für die „Kreuze zeitung" und ihre publizistischen Nachbeter ist es eine Existenzfrage^ zu bestreiten, daß durch ihre Schuld die überaus günstigen Chancen ihrer Partei in den letzten zwanzig Jahren in Muckerei und Judenhetzen nutzlos vergeudet worden sind. Diese Organe leugnen keineswegs die Gefahr der antisemitischen Volksauswiegelei, aber als Mittel zur Bekämpfung dieser Gefahr wissen sie ihren Parteigenossen nichts besseres zu empfehlen, als es diesen Aufwieglern gleich zu thun und sich dann mit ihnen wieder zu verständigen. „Seit die Antisemiten"^ so schreibt die „Kreuzztg.", „aus Juden Hetzern zu „Iunker - Hetzern" geworden sind und dies als ihre Hauptaufgabe betrachten,, werden die Konservativen zudem mehr als je genöthigt sein, ihr Augenmerk auf die Ausschreitungen des Judenthums zu richten und diesen auf das Nachdrücklichste entgegenzutreten, wo es mit der That geschehen kann und nicht mit bloßen Worten. Wenn die Deutsch-Sozialen Selbstachtung genug haben, um dabei zu helfen, sind sie willkommen; das versteht sich trotz alledem von selbst. Dazu gehört aber in erster Reihe, daß sie aufhören, die Konservativen durch Aufstellung aussichtsloser Kandidaten (wie in der Westpriegnitz) zu bekämpfen. Wollen sie das nicht, so bleibt nur noch der Kampf mit allen seinen voraussichtlichen bösen Folgen." Also: die preußischen Konservativen sollen sich Herrn Liebermann von Sonnenberg zu Kampfgenossen wider die Juden um den Preis seines Verzichts auf die „Junkerhetze" anbieten. Vielleicht könnte dabei auch der Kreuzzeitungs-Redakteur vr. Kropatscheck sein Mandat retten^ welches durch Ausstellung einer deutsch-sozialen Kandidatur in seinem Wahlkreise ernstlich gefährdet ist. Daß er kürzlich in einer Parteiversammlung als die wirksamste Losung für den Wahlfeldzug gegen die „Junkerhetzer" die Judenhetzen bezeichnet hat, wird die antisemitischen Mandatjäger nicht bewegen,von ihrem Handwerk abzulassen. Die „Schles. Ztg." äußerte sich über die deutsch-sozialen Wahlumtriebe: „Wenn jetzt die antisemitische Presse unumwunden schreibt, die von ihren Agitatoren gewonnenen Wähler würden selbst einer offiziellen antisemitischen