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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 621

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Umschau
Date
1897-12-01
Page
621 (sequence 1)
Language
German
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621 Umschau. MN ach einer Mittheilung der „Magdeburgischen Zeitung" hat der Landrath von Hasselbach in einer Versammlung in Magdeburg öffentlich erklärt: „Der schlimm st eFeind ist der Antisemitismus,an dessenGroßwerdenjaleider die konservative Partei mitgeholfen hat." Ganz ähnlich soll stch in einer Versammlung in Wittstock der Landrath Graf Bernstorf ausgesprochen haben. Wenn dagegen darauf hingewiesen wird, daß es nur wenige Stimmen seien, welche sich in diesem Sinne im konservativen Lager erheben, und wenn man daran die Behauptung knüpft, daß nur die Besorgniß, die für antisemitische Ideen vorbereiteten konservativen Sitze an die deutsch-sozialen Reformer abtreten zu müssen, einzelnen Landräthen vorurtheilsfreiere Gesinnung einflöße, scheint dies doch eine Verkennung der Thatsachen. Unverkennbar ist man in größeren konservativen Kreisen durch die in Sachsen, sowie bei den Wahlen in der Westprignitz und in Ploen- Oldenburg gemachten Erfahrungen belehrt worden, daß man durch die anfängliche Bundesgenossenschaft mit den Antisemiten eine Schlange am Busen großgezogen hat, und daß eine sich als staatserhaltend bezeichnende Partei durch Förderung antisemitischer Umsturzpläne systematisch sich selbst zu Grunde richtet. Die „Kreuzzeitung" giebt deshalb kaum die Stimmung der konservativen Mehrheit richtig wieder, wenn sie noch immer in der Erinnerung an jene Zeiten schwelgt, in welchen Hammerstein und Stöcker Arm in Arm ihr Jahrhundert in die Schranken fordern wollten. Die Nachkommen jener hochgebildeten Edelleute, welche in der sächsischen I. Kammer in den dreißiger und vierziger Jahren die erste Anregung zur Juden-Emanzipation gaben, haben weit früher als ihre preußischen Parteigenossen erkannt, auf welche gefährliche Bahn das Liebäugeln mit den Myrmidonen des Herrn Liebermann von Sonnenberg geführt hat. Von dieser klaren Erkenntniß gab vor Kurzem die Rundschau in der Kgl. „Leipziger Zeitung" Zeugniß, denn in derselben wurde von der deutsch-sozialen Neformpartei gesagt: „Wie die Partei sich jetzt giebt, ist sie nichts Anderes mehr, als eine Untergruppe der Sozialdemokratie, und mehr noch als die Führer der letzteren kämpfen die antisemitischen Häuptlinge, die sammt und sonders aus der Politik ein Gewerbe

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