Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Rathschläge eines Türken
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 618 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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618 Im deutschen Reich. Beschimpfungen und gesellschaftliche Aechtung, Angehörige schwächerer Bevölkerungsgruppen ohne jedes persönliche Verschulden treffen können, das Maß von Gerechtigkeit und Humanität zeigen, das innerhalb der herrschenden Klasse vorhanden ist. Wie, wenn der Auswurf innerhalb des stärkeren TheileS der Bevölkerung gegen den schwächeren allerhand Lügen und Verleumdungen vorbringt und so die öffentliche Meinung fälscht? Sollte es dann nicht schon die Pflicht der Selbsterhaltung von den Angegriffenen erheischen, gegen die Verbreitung der Lügen mit allen Mitteln zu wirken? Nicht orientalischer Quietismus, sondern beharrliche Arbeit wird wie vom Schicksale benachtheiligten Individuen so auch ganzen vom Schicksale benachtheiligten Menschengruppen am besten helfen. Gelänge es, den schlechtesten Theil der Bevölkerung auf den geistigen Standpunkt zu bringen, den jetzt die Masten einnehmen, diese aber mit dem Geiste zu erfüllen, der jetzt nur wenige sittlich höchststehende Personen, die wahrhaft Edelsten ihrer Nationen, beherrscht, so würde mit einer Menge anderer sozialer Uebel auch der Antisemitismus bald eine Erscheinung vergangener Zeiten sein, wie es heute Ketzerverfolgung und Hexenverbrennung sind. Auch giebt es noch ein Mittel, die Abneigung der Majorität unserer Mitbürger gegen uns zu vermindern, besten Emin selbst gedenkt. Er sagt nämlich S. 142: „Eigentlich kann jedes Individuum für seinen Theil dazu beitragen, die Gegensätze zu mildern. Man denke sich z. B. den Fall, jeder Jude in Europa wäre ein Engel ohne Fehl und Makel, so wird sich kaum bestreiten lasten, daß die Abneigung gegen die Juden im Allgemeinen auf ein Minimum herabsinken würde." Können wir auch nicht uns alle zu „Engeln ohne Fehl und Makel" entwickeln, so können wir doch dahin gelangen, daß die Zahl der Personen, welche sich gerechten Anspruch auf Achtung erwerben, unter uns größer, die von den Hetzern aber nur all zu sehr ausgenutzten Ausschreitungen des Erwerbstriebs Einzelner seltener werden oder ganz verschwinden. Es ist die Hebung des moralischen Werthes der Angehörigen unserer Religionsgemeinschaft, welche garnicht kräftig genug erstrebt werden kann;