Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Rathschläge eines Türken
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 619 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rathschläge eines Türken. 619 sie erheischt, wie an anderer Stelle von mir ausgeführt ist, von jedem Verein zur Abwehr auch die Thätigkeit der Einkehr. Wie in den zuletzt angeführten Worten, zeigt unser Autor sich auch sonst als kluger Beobachter, soweit nicht sein Pessimismus und seine apologetischen Absichten in Betracht kommen. So weist er z. B. darauf hin, daß jede Einmischung auswärtiger Staaten die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung in der bedenklichsten Weise verschärfen muß, und fügt hinzu: „Gerade in Folge der Einmischung oder sogar in Folge der Erwartung der Einmischung nehmen die Gegensätze oft erst einen akuten Charakter an, wo der chronische Charakter einen, wenn auch nicht glücklichen, so doch erträglichen Zustand darstellte. Ich glaube, kein kluger Jude in Deutschland wird anders als mit Schrecken an den Fall denken können, daß östlich und westlich von Deutschland jüdische Staaten existierten und zu Gunsten der Juden in Deutschland intervenierten." Treffend weist Emin auch auf die Widersinnigkeit des Antisemitismus als Raffeuseindschaft hin. Er hebt hervor, daß der Rassenunterschied zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung Deutschlands sich nicht wie etwa derjenige zwischen Weißen und Negern in Nordamerika auf „charakteristische, augenfällige Körperunterschiede" gründet. „Vom anthropologischen Standpunkte aus," meint er, „könnte'man es wohl begreiflich finden, daß eine Rassenfeindschaft zwischen blonden Deutschen und schwarzhaarigen Juden (hie Arier — hie Semiten) besteht. Man müßte aber hiernach auch eine Naffenfeindschaft zwischen blonden Juden und schwarzhaarigen Juden, ja sogar eine Naffenfeindschaft zwischen blonden Juden und schwarzhaarigen Deutschen in d e m Sinne erwarten, daß erstere das Arierthum, letztere, wenn auch nicht gerade das Semitenthum, so doch irgend eine andere verdächtige Raffe repräsentiren. Nichts von alledem ist wahrzunehmen." Recht sympathisch ist uns auch folgende Stelle: „Im Allgemeinen wird man sagen dürfen: das Loos eines Ueberläufers ist das elendeste, das sich erdenken läßt. Glücklich ist der zu schätzen, der treu ... zu seiner Volksgruppe hält und in ihr eine geachtete Stellung einnimmt; unglücklich der, der sich von seiner Gemeinschaft absondert." Stimmt hier Emin ganz mit Ansichten überein, die sowohl