Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Rathschläge eines Türken
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 617 (sequence 3)
- Language
- German
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Rathschläge eines Türken. 617 bewußt werden, der sie andernfalls wegen ihrer vermeintlichen Selbstverständlichkeit gar keine Beachtung schenken: Wie viel hochherzige Gerechtigkeit, ja sogar wie viel Liebe wird uns (das heißt also Mohamedanern und Juden) von christlicher Seite in zahllosen Fällen entgegengebracht." Aus dem Zusatz: „Es ist überflüssig zu bemerken, daß eine derartige Auffassung bei den Christen in der Türkei unmöglich ist," geht die Tendenz dieser Ausführungen klar hervor. Den „europäischen Humanitätstheoretikern" wird dann zum Vorwurf gegemacht, daß die Christen im Morgenlande niemals „auf die Dauer ruhig und zufrieden bleiben können." Was den uns gegebenen Rathschlag betrifft, so ist er nur dann durchaus vernünftig, wenn er uns lediglich an die Dankbarkeit erinnert, die man jedem schuldig ist, der unter schwierigen Verhältniffen seine Pflicht thut, also auch dem christlichen Mitbürger, der Verspottung und Schädigung nicht fürchtet, indem er seine Menschenpflicht uns gegenüber erfüllt. Gewiß ist es für die richtige Beurtheilung solcher Edelmenschen wie auch für eine richtige Auffaffung unserer Lage wichtig, daß wir uns erinnern, wie viele Feindseligkeiten Minderheiten nach Religion und Abstammung im Laufe der Weltgeschichte zu erdulden hatten und noch heute zu erdulden haben. Allein, widerspricht es nicht dem Begriffe der Gerechtigkeit, wenn eine ihr entsprechende Handlung „Dankbarkeit" und „Bewunderung" Hervorrufen müßte? Welch' niedere Ansicht von der Menschennatur setzt dies voraus! Nicht ein Naturgesetz, sondern theils Nachwirkung bestimmter historischer Thatsacben, theilü Ergebniß zu Unrecht geduldeter, ja geförderter Hetze ist die Abneigung der Masse der christlichen Bevölkerung gegen uns. Der Autor selbst sagt an anderer Stelle, daß die nreisten Feindseligkeiten gegen schwächere VevölkerungSgruppen vom AnSwurfe der Gesellschaft verübt werden, und daß, je geringer ein Gegensatz ist, desto weniger die guten, sittlichen Elemente des einen Theils geneigt sein werden, dem anderen ein Unrecht zuzufügen. Er denkt hierbei an Raub, Brandstiftung und Todtschlag, wie sie leider in der Türkei noch in unseren Tagen in furchtbarer Häufung Vorkommen konnten. In Wahrheit wird sich aber auch bei der Frage, inwieweit Feindseligkeiten geringerer Art, wie Schmähungen,