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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 616

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Rathschläge eines Türken
Date
1897-12-01
Page
616 (sequence 2)
Language
German
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616 3m deutschen Reich. türkische Regierung gegen „Journalisten und Politiker, welche sie über die Pflichten der Humanität gegen schwächere Gegner belehren," um jeden Preis vertheidigen will, der wird ohne besondere Mühe viele Seiten zum Nachweise eines angeblichen historischen Gesetzes schreiben können, daß „innerhalb eines Staatswesens eine vollständige thatsächliche Gleichberechtigung zwischen verschiedenen Rassen und Religionsgemeinschaften (und wohl auch zwischen verschiedenen Sprachgemeinschaften) unmöglich sei." An dieser Stelle kann eine ausführliche Widerlegung dieser Ansichten nicht gegeben werden. Doch sei bemerkt, daß in dem von Mehemed herangezogenen Thatsachenmaterial Vorgänge des fünfzehnten und neunzehnten Jahrhunderts unterschiedslos nebeneinanderstehen. Die in diesen vier Jahrhunderten von den modernen Kulturvölkern in Humanität, Toleranz und Gerechtigkeit gemachten Fortschritte sind ebenso wie die Bestrebungen und die Nothwendigkeit, hierin noch viel weiter zu kommen, völlig außer Acht gelassen. Mit der angegebenen irrigen Gruudanschauung von dem unaustilgbaren Hasse verschieden gearteter BeoölkerungSelemente und mit der Tendenz, europäische Leser davon zu überzeugen, daß die Türken den orientalischen Christen Gleichberechtigung nicht geben können, hängt auch eine Stelle eng zusammen, in der sich der muhamedanische Autor direkt an uns wendet. Sie verdient umsomehr, daß wir auf sie eingehen, weil sie in der Zeitschrift des Gneist-Rickert'schen Vereines, also eines gleich uns den Antisemitismus bekämpfenden Blattes, als etwas sehr Vernünftiges und Beachtenswerthes wiedergegeben wird. Emin sagt: „Da eS eine- Lösung derartiger Fragen (der Judenfrage in den europäischen Ländern und der Christensrage in der Türkei) insolange nicht giebt und nicht geben kann, als Juden, Christen und Muselmanen existieren und miteinander in Berührung kommen, so ist es offenbar besser, die naturgesetzlichen Thatsachen zu nehmen, wie sie sind, statt dem Phantom einer wirklichen Gleichberechtigung nachzujagen. Den Juden würde ich daher einfach rat hen, von der Voraussetzung auszugehen, daß ihnen die christliche Bevölkerung nach Naturgesetzen von Anfang an bis zu einem gewissen Grade feindlich oder doch unfreundlich gegenüber stehen muß. Mit Anerkennung, Dankbarkeit, ja sogar Bewunderung werden sie dann der Thatsache sich

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