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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 613

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1897-12-01
Page
613 (sequence 6)
Language
German
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Deutsche Volksvertreter jüdischenBekenntniffes. 618 Gott und Menschen sprechen, so giebt es kein höheres Ziel, so giebt es keine höhere Erklärung des menschlichen Lebens, als daß in jedem Einzelnen eine ganze Welt sich befindet und daß mit der Besserung des Einzelnen eine ganze Welt sich verbessert in dieser einzelnen Person. In jeder einzelnen Person spielt sich ein Zweck der göttlichen Vorsehung vom ersten Tage der Geburt bis zur Todesstunde ab, und dieser Zweck ist im höchsten Grade erfüllt, wenn er von einer Klärung des Gemüths, von einer Besserung des sittlichen Prinzips begleitet gewesen ist. Ein solches Leben ist Gott wohlgefällig, abgesehen von allen einzelnen Thaten, welche das Leben verdunkeln. Und nun frage ich Sie, meine Herren, welches Recht haben Sie, Ihre Hand hineinzustrecken, der Vorsehung den Faden abzuschneiden, indem Sie befehlen: Jetzt muß der Mann sterben, er darf keinen Tag mehr haben, um sich innerlich sittlich zu heben und zu klären, damit er als Gottgefälliger sterbe. (Lebhafter Beifall!) Wie darf ein Mensch sich so in den Plan der göttlichen Vorsehung einmischen? Wenn das Gesetz es thut ohne Roth, dann, sage ich, sündigt das Gesetz, und wenn Sie zehnmal es vorschreiben, cs bleibt eine Sünde vor Gott. Meine Herren, Sie fragen, was ist denn der Unterschied zwischen lebenslänglichem Zuchthaus und der Todesstrafe? und Sie wägen ab, welches Uebel das bedeutendere sein möchte. Lassen Sie doch diese kleinen Gesichtspunkte. Der klaffende Unterschied ist der, daß der Mensch lebt und die Möglichkeit hat, mit sittlicher Kraft sich emporzuheben zu dem höchsten der Menschen, daß er sterben kann als ein Gottgefälliger; dagegen dürfen Sie nicht die Hand ausstrecken, wenn nicht die Staatsordnung es unbedingt nothwendig macht, wenn nicht Nothwehr vorhanden ist. (Lebhafter Beifall!) Meine Herren, haben Cie nicht der Beispiele genug, daß gerade im Gefängniß, daß gerade in der höchsten Enge die Seele sich erleuchtet hat und erhellt, haben Sie da nicht Beispiele genug von völligen Umwandlungen? Und Sie vermessen sich, diese Umwandlungen unmöglich zu machen? Das entspricht nicht dem Volksbewußtsein. Wer im Volke diese Gedanken nicht durchwägt, der wandelt unbelehrt in seiner alten Gewohnheit weiter. Wir können nicht in jede einzelne Hütte gehen und dem Einzelnen predigen, welche Sünde es sei, daß ein Gotteswort zu Schanden gemacht und vernichtet wird durch den Willen der Menschen, damit er überzeugt

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