Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 611 (sequence 4)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 611 aus Süddeutschland in den Norddeutschen Bund aufzunehmen, und nur den Zwang zurückweise, sobald wir damit Ernst machen, und wenn wir in Wahrheit den einzigen bereiten süddeutschen Staat dem Bunde einverleibt haben, dann, meine Herren, behaupten wir mit Recht, der Bund ist Deutschland. Darum hat die Aufnahme Badens in den Norddeutschen Bund nicht blos die Bedeutung, daß ein Glied den vielen Gliedern hinzugesügt wird, sondern vor dem In- und Auslande ist es der Beginn der Vollendung, welche in der Vereinigung des ganzen Deutschlands besteht. Das ist in der That der Anfang der Einigung des ganzen und vollen Deutschlands." Das waren Worte, die von Herzen kamen und von einem Manne gesprochen wurden, der keinen andern Ehrgeiz besaß, als seine ganze Kraft in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und an der Größe der Nation zu arbeiten. Lasker war der erste, der offen über die „Maingrenze" hinwies, — der das Wort „einiges Deutschland" im Reichstage aussprach, — und dies als letztes Ziel des politischen Strebens bezeichnet?. Dem Vertrage zwischen dem Norddeutschen Bunde und dem Großherzogthum Baden wurde im Reichstage zugestimmt und von dem Bundesrath die verfassungsmäßige Genehmigung ertheilt. Aber die Aufnahme in den Bund, für welche Lasker — und mit ihm Miguel — so warm eingetreten war, wurde durch den Bundeskanzler abgelehnt, der daraus eine Kabinetsfrage machte und seine Rede mit den Worten schloß: „Der Herr Vorredner hat mit großer Bestimmtheit ausgesprochen, daß er in der Aufnahme des Großherzögthums Baden den Anfang der Vollendung des Bundes sehe. Hier kann ich nur Ueberzeugung gegen Ueberzeugung stellen; meiner Meinung nach würde in einer solchen Maßregel die Hemmung der Vollendung liegen, nicht blos ein Anfang der Hemmung, sondern ein ziemlich dauerhafter Hemmschuh." Uns steht nicht zu, die ablehnende Haltung des Bundeskanzlers zu bemängeln, der sicherlich seiner bewährten staatsmännischen Einsicht folgte. Hatte diese Rede Lasker auf der Höhe der Politik gezeigt, so sah man ihn bald darauf das Elend der Gefängnisse aufsuchen und mit den Gefangenen verkehren, um aus so gewonnener Kenntniß heraus an dem „Strafgesetzbuch" Mitarbeiten zu helfen, das auch ein Einheitsband für den gesammten Norddeutschen Bund und die