Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Offener Brief an Herrn Professor Friedrich Paulsen
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 604 (sequence 14)
- Language
- German
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604 3tn deutschen Reich. stempeln und von einem „ganz Deutschen" zu verlangen, daß er keine andere Religion habe, als sein Deutschthum, sein Vaterland! Wie es ja in der That Leute giebt, die sich aus dem Nebelheim der germanischen Mythologie eine neue Religion erdichten. Sie zweifeln nicht — d. h. Sie wünschen, hochverehrter Herr Profeffor, daß die gegenwärtige Aussperrung der Juden von Staatsämtern sich nicht vermindern, sondern stärken werde. (II, 523.) So lange der Staat das Judenthum so wenig kennt, so wenig studirt, wie Sie, hochverehrter Herr Profeffor, ist eü wohl möglich, daß Ihr frommer Wunsch kein frommer bleibe, d. h. der in den Augen der Antisemiten wohlgemeinte Wunsch kein aussichtloser. Sie fragen: „wenn unter dem jüdischen Volke Vs pCt. Deutsche oder Franzosen lebten, und, bei starrer Fcsthaltung der eigenen Nationalität, absolute Gleichstellung forderte, was würde die Antwort sein?" (II, 527.) Sie finden, hochverehrter Herr Profeffor, die Antwort schon im Alten Testament. Der Fremdling galt im alten Judenthum für vollberechtigt, die Juden kannten keine Barbaren, keine Heloten. Und heutzutage, wenn ein jüdisches Gemeinwesen denkbar, und nicht vielmehr ganz unmöglich, ganz wider die göttliche Geschichtsfügung wäre — würden die Juden sicherlich den in ihrem Bereiche lebenden Nichtjuden die Gleichberechtigung gewähren, haben sie doch durch lange Reihen von Geschlechtern am eigenen Leibe erfahren, wie weh Lieblosigkeit und Zurücksetzung thut! Sie kommen endlich, hochverehrter Herr Profeffor, (II, 528) auf eine frühere Aeußerung zurück, wonach „ein unsicheres, unterwürfig kriechendes und andrerseits sich vordrängendeü, rechthaberisches und wohl auch protzenhaftes Wesen, verbunden mit einem Mangel an Selbstkontrole und Gewissen, wie das alles als Folge langer Rechtlosigkeit und Mißhandlung eintritt, die Eigenschaften sind, die in den Augen Vieler den Typus des heutigen Juden ausmachen." (II, 520.) Sie suchen in der neuesten Auflage Ihres Werkes das harte Urtheil zu mildern. Sie wollen nur Nelata referiert haben, Ihrer Ansicht nach gehöre der Mangel nicht zum Typus, aber Sie meinen, daß jene Charakteristik „verhältnißmäßig zahlreich" zutreffe. Sie können es nicht beweisen, aber Sie nehmen es an auf Grund