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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 593

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Offener Brief an Herrn Professor Friedrich Paulsen
Date
1897-12-01
Page
593 (sequence 3)
Language
German
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Offener Brief an Herrn Professor Friedrich paulserr. 5S9 DieS Amendement, ich mach' eü Im JnLresse meiner Kunst. Denn der Sinn für Stil, für strenge Plastik der Bewegung, fehlt Jener Rasse, sie verderben Den Geschmack des Publikums. Die Bekannten und Freunde jüdischen Glaubens — oder wie Sie, verehrter Herr Professor, aus mir unbekannten Gründen lieber wollen, „mosaischer Konfession", oder, wie Ihne» am einfachsten erscheint: die jüdischen Bekannten und Freunde (II, 533), scheinen Ihnen außer der „aufrichtigen Achtung" für ihre Personen nichts von ihrem Judenthum, nichts zur Kenntniß und eingehenden Prüfung deflelben beigebracht zu haben. Es ist ja leider eine traurige Thatsache, traurig nicht blos für die Juden, daß eine dicke chinesische Mauer der Unkenntniß und der Unwiffenheit, vorgefaßter Meinung und falscher Auffassungen in Betreff jüdischer Angelegenheiten beide Lager trennt, ja nicht bloS beide Lager, das christliche und das jüdische, auch das jüdische selbst, in dem von jeher der Am haarez, der Unwissende, verrufen, aber sehr zahlreich vertreten war, mit und ohne Weltbildung. Läge nicht diese literarische Unkenntniß vor, wie wäre es möglich, daß Sie, verehrter Herr Professor, hätten — allerdings nach dem Vorbilde und Vorgänge vieler anderen Schriftsteller — den Satz schreiben können: Erst das Christenthum hat den Sinn für die Schönheit und den Reichthum der weiblichen Natur geöffnet, „unter dem Einfluß des Christenthums ist die Frau geworden wie sie ist". (II, 258). Kennen Sie denn nicht das hohe Lied vom Frauenwerth (Sprüche Salomonis 31), dem die herrlichsten Stellen vom Preise der tüchtigen Hausfrau in Schillers Glocke nachklingen? Unbekannt muß ja Ihnen sein — denn die jüdische Literatur steht im Index librornm prohibitorum — daß der Talmud den Schmerz des Wittwers, dem das Weib seiner Jugend gestorben, mit dem Schmerze dessen vergleicht, der den Tempeluntergang erlebte. Jener Schlußstelle in den Sprüchen Salomonis unmittelbar voraus geht die Mahnung: „Oeffne deinen Mund, richte gerecht, und rechte für Gedrückte und Arme!" Richte gerecht! Daran habe ich, hochverehrter Herr Professor, beim Lesen Ihres Werkes oft denken müssen. Kein 39*

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