Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 577 (sequence 8)
- Language
- German
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veremsnachrichlen. 677 Existenzen schlimme Erfahrungen gemacht worden, oder doch wenigstens ernste Ermahnungen und Belehrungen nöthig gewesen. Besondere Aufmerksamkeit wendet der „Verein für Arbeitsnachweis," der jetzt 600 Mitglieder zählt, dem Lehrlingswesen zu, auf welchem Gebiete er sehr Segensreiches leistet. Der Verein , welcher im Begriffe steht, sein Arbeitsfeld durch Errichtung von Schreibstuben u. A. m. zu erweitern, hofft nicht nur auf den Beitritt neuer opferwilliger Mitglieder, sondern auch auf die Unterstützung der hiesigen jüdischen Gemeinde, deren Armenlast er durch seine Thätigkeit wesentlich vermindert, dann gedenkt er doppelt eifrig weiter zu wirken, damit das Elend sich mindere durch Arbeit — nicht durch Almosen! — Der Vorsitzende dankte dem Redner unter Hinweis auf den demselben bereits am Schluffe des Vortrages von den Anwesenden gezollten reichen Beifall und betonte, daß die Verbesserung der socialen Lage zahlreicher Glaubensgenoffen durchaus den Bestrebungen des Central- Vereins entspreche. Nach Eröffnung der Diskussion berichtete Herr Brasch über einzelne intereffante Fälle aus der Praxis des „Vereins für Arbeitsnachweis"' und hob die Verdienste des Herrn Rosenstiel um diesen Verein mit Wärme hervor. Im Verlaufe der weiteren, ziemlich ausgedehnten Diskussion, an welcher sich die Mitglieder des Central-Vereins-Vorstandes Herren Professor vr. Pinner und Maurermeister S. W e i l e, sowie die Herren Rosen stiel. Brasch, Scheer, Wohlberg,Goldschmidt, AlphonseLevy, Herz und Rechtsanwalt Poppelauer betheiligten, kamen die mit jüdischen Arbeitern gemachten Erfahrungen, die Lehrlingsfrage und die Leistungsfähigkeit der hiesigen Handwerker jüdischen Glaubens in eingehender Weise zur Sprache, wobei manche neue Gesichtspunkte eröffnet und praktische Rathschläge ertheilt wurden. Mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde schloß der Vorsitzende die Versammlung, die Mittheilung der von dem Central-Verein in den letzten Monaten entwickelten erfolgreichen Thätigkeit bis zu der nächsten Versammlung der Gruppen 8., 80. und 0. vertagend, deren zahlreichen Besuch er als besonders wünschenswerth bezeichnete. Zu den Städten, in welchen der rühmliche Eifer unserer Vertrauensmänner erfreulichen Wandel in der Angelegenheit der Zurücksetzung der Juden bei dem Schöffen- und Geschworenendienst geschaffen hat, gehört nun auch Hildesheim. Dort war seit langer Zeit kein Jude mehr eines solchen Ehrenamtes theilhaftig geworden und dabei wäre es auch geblieben, wenn man sich von jüdischer Seite nicht gerührt hätte. Während in Hildesheim im Ganzen — und zwar vor Jahren einmal — nur zwei Mitglieder 38