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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 572

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1897-11-01
Page
572 (sequence 3)
Language
German
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57*2 3m deutschen Reich. ferner die Herren Petzall, Lehrer Lewy, Caspar Hartmann, Dr« Kalischer, R. Wohlberg, vr. I. MoseS- und AlphonfeLevy. Unter überaus zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern und Gästen fand Montag, den 25. Oktober, im Saale der „Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstraße 9, die erste allgemeine Versammlung in diesem Herbst statt. Nachdem der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Rechtsanwalt Dr. M. Hor - witz, die Erschienenen begrüßt und der Hoffnung auf eine recht rege Vereinsthätigkeit für den Winter Ausdruck gegeben hatte, hielt Herr Schriftsteller Robert Schweichel einen Vortrag über „Heinrich Heine", den er als den besten deutschen Lyrikern ebenbürtige aber als Satiriker ohne einen einzigen gleichwerthigen Nebenbuhler in Deutschland bezeichnete. Der Vortragende vertheidigte den großen Toren gegen den oftgehörten Vorwurf undeutscher Gesinnung und betonte, daß dieser Vorwurf sowie das wüste Geschrei, welches der Plan der Errichtung eines Heine-Denkmals hervorrief, von den Gesinnungsgenossen der Landsknechte des Mittelalters, der unwahrhaftigen Deutschthümler und der Dunkelmänner ausgegangen sei, denen Heinrich Heine die Larve vom Heuchlergesicht gezogen und die er mit der ätzenden Lauge seines Spottes überschüttet hat. Wie Berthold Auerbach einer deutschen israelitischen Familie entsprossen, habe Heinrich Heine in Deutschland unter den unserm Jahrhundert so wenig zum Ruhm gereichenden Konflikten zwischen Christen und Juden schwer gelitten, aber, trotzdem wahrhaft deutsch empfunden. Nur die trostlosen Verhältnisse des vormärzlichen Deutschlands hätten ihm die Geißel des Spottes in die Hand gedrückt; nur das stärkste sittliche Gefühl hätte ihn zu jener an Juvenal erinnernden Verhöhnung des Spiritualismus geführt, die von seinen Gegnern ausgebeutet wurde und ihm sogar einzelne prüde Freunde entfremdete. Der Redner entrollte ein treues Bild Heines, schilderte dessen bewegtes Leben, würdigte alle Werke dieses Dichters in eingehendster Weise und berief sich auf die Urtheile Gutzkows und Wilhelm Jordans bei der Behauptung, daß Heine als der Wiederhersteller des altgermanischen Rhythmus, der Schöpfer der heutigen deutschen Prosa, und dadurch der deutscheste Dichter der Neuzeit sei. Ihm das Deutschthum abzusprechen, sei widersinnig, denn so könne man nicht deutsch dichten, ohne im Herzen deutsch zu empfinden. Weder diese Thatsache, noch der Uebertritt Heines zum Christenthum verhinderte seine zahlreichen Feinde an maßlosen Jnvektiven gegen seine Abstammung. Auch an ihm bewährte sich, was Ludwig Börne von sich

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