Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 571 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 571 auf die großartigen Leistungen der Juden unter den Arabern hin, auf ihre Verdienste um die Blüthezeit der Kultur in Spanien, auf den Einfluß der Juden auf die größten Humanisten und die deutsche Bibelübersetzung. Nicht die Abstammung, noch der Besitz, sondern das Wissen galt zu allen Zeilen unter den Juden als dasjenige, was dieselben adelte und ihnen hohe Achtung verschaffte; der Bildungsdrang zeigte sich in allen ihren Schriften als das Bindemittel zwischen Gelehrsamkeit und Arbeit. Nach Erlangung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung fanden sich für diesen Bildungsdrang neue, freiere Bahnen; getaufte und ungetanste Juden schaarten sich allerwärts entweder als Offiziere oder als Soldaten zu dem Banner der Freiheit und bewährten sich vielfach als Pioniere der Aufklärung. Unter Bezugnahme auf Schriften von Lombroso, Jacobs und Leroy-Beaulieu zeigte der Redner, wie viele Juden und Judensprößlinge in neuerer Zeit eine hervorragende Rolle im politischen Leben gespielt oder sich um Wissenschaft und Kunst verdient gemacht haben. Sodann wies er aus der Statistik in Preußen nach, daß sich der jüdische Bildungsdrang auch durch die eifrigste Benutzung der Bildungsanstalten, die verhältnißmäßig große Zahl der Studierenden kundgebe und daß der von den Antisemiten ins Werk gesetzte gesellschaftliche Boykott diesen Bildungsdrang nur noch fördere. Was die Juden für die Kultur Europas, besonders aber für diejenige Deutschlands geleistet haben, werde jetzt am Ausgange des 19. Jahrhunderts vielfach verkannt und mit Undank belohnt. Die Zurücksetzungen, die wir schärfer empfinden als unsere an harten Druck gewöhnten Vorfahren, beklagen wir tief als einen Rückschritt in der Kultur, als ein Unheil, das uns nicht als Juden, sondern als Deutsche trifft und das wir um unseres deutschen Vaterlandes Willen abzuwehren uns verpflichtet fühlen. Stolz auf unsere Vergangenheit, müssen wir in der Gegenwart feststehen als Wächter der Kultur, stets auf der Hut und in unverwüstlicher Hoffnung auf eine lichtvollere Zukunft. — Nach diesem Vortrage lieh Herr W o h l b e r g dem Dankgefühl der Anwesenden dem Redner gegenüber beredten Ausdruck und dann beglückwünschte General-Sekretär Alphon se Levy die um den Central-Verein besonders verdiente Berliner Gruppe N, NO. zu dem in so erfreulicher Weise, eingeleiteten Beginn ihrer Winterthätigkeit. An der lebhaften Diskussion, die sich anschloß, die Mitarbeit der Frauen, die Förderung der Kenntniß des Judenthums, sowie die Antheilnahme der Juden an Handwerk und Bodenkultur berührte und dadurch die Anwesenden bis nach 11 Uhr in anregendster Weise fesselte, betheiligten sich wiederholt die beiden Vorstandsmitglieder Herren S. Weile und I. R o s e n t h a l,