Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 562 (sequence 5)
- Language
- German
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562 Jm deutschen Reich. der. hiesigen Reformgemeinde, G. B o r ch a r d t, welcher in der Zeit von 1879—1884 als Stadtverordneter und seitdem als unbesoldeter- Ltadtrath in der städtischen Verwaltung thätig war, außerdem aber auch in den verschiedensten Wohlthätigkeitsvereinen eine segensreiche Wirksamkeit entfaltete. Die „Dolkszeitung" schreibt: Das Antisemitenorgan „D.Gen.Anz." erdreistet sich, gegen den verstorbenen Kaiser Friedrich eine Beschimpfung auszustoßen, die Alles übertrifft, was jemals auf diesem Gebiete geleistet worden ist. Dabei muß man im Auge haben, daß. das Blatt für Königthum, Vaterland, Wahrheit und Sitte kämpfen will und an seinem Kopfe ein Bild der Hohenzollernburg trägt. Weil der Geh. Kommerzienrath Mendelssohn durch Kaiser Friedrich geadelt wurde, macht das Blatt die Bemerkung: „Kaiser Friedrich war bekanntlich infolge seiner Mildthätigkett als Kronprinz stark verschuldet." — Tie antisemitischen Blätter, die mit dem Sedlatzek'schen Blatte in ' der Hauptsache eines Sinnes sind, werden sich schwerlich gemüßigt fühlen, gegen die ungeheuerliche Insinuation zu protestiren, die in der Behauptung des Sedlatzek'schen Organs liegt. Wir sind der Meinung^ Daß solche Schreibereien niedriger gehängt zu werden verdienen. Die „Voss. Ztg." berichtete am 28. Oktober Folgendes:. „Die Gemahlin desReichstagsabgeordneten Ahlwardt wurde gestern Nachmittag in der Nahrungsmittelausstellung im Meßpalast auf Veranlassung einer Verkäuferin der Firma Jltz u. Kludt von einem Kriminalbeamten ststirt und zur Angabe ihrer Personalien nach dem Polizeibureau in der Hollmannstraße abgeführt. Die Verkäuferin beschuldigte Frau Ahlwardt, ein Päckchen Mandelmilch-Nährbiscuits von dem Verkaufstisch entwendet zu haben. Das Päckchen war mit einem Preisvermerk (25 Pfg.) versehen. Frau Ahlwardt, die von ihrer Tochter begleitet war, behauptete, daß sie das Päckchen in dem Glauben an sich genommen habe, daß es eine Kostprobe enthalte, die kostenfrei vertheilt wird. Der Vertreter dev Firma Jltz u. Kludt äußerte sich zu unserem Berichterstatter dahin, daß derartige Fälle täglich vorkämen, und daß, wenn er anwesend gewesen, die Sistirung nicht erfolgt wäre." Die „Berl. Ztg." knüpfte daran folgende Bemerkungen: „Herr Ahlwardt hat mit dem ihm eigenen Geschäftssinn aus dem seiner Frau und seiner Tochter in der Nahrungsmittel-Ausstellung widerfahrenen Mißgeschick sofort das ihm so nöthige Kapital zu schlagen gewußt. Aus Westfalen, das er jetzt abgrast, ist er schnurstracks an den heimathlichen Herd geeilt^ um nach langer Zeit wieder einmal den Berlinern eine Vorstellung zu geben. Obwohl die Blätter aller Parteien darüber einig waren^