Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 563 (sequence 6)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 563 daß die polizeiliche Feststellung der Frau Ahlwardt ungerechtfertigt war, hatte Ahlwardt daraus einen unerhörten neuen Anschlag auf seine politische und winhschaftliche Existenz konstruirt und darüber wollte er für 20 Pfennig Entree reden. Der Martens'sche Saal in der Friedrichstraße war denn auch Kopf an Kopf gefüllt; es mochten etwa 1200 Personen erschienen sein, die das dicke Männchen gern wieder einmal sehen und hören wollten. Er gab seine ganze Lebensgeschichte zum Besten, wobei sich denn, wie bei Goethe, Wahrheit und Dichtung stark vermischten. Auch die „I u d en f l i n t e n" hat er noch immer auf der Walze. Unter Anderm erzählte er: „In Hörde kommen jetzt täglich ganze Wagenladungen, zerbrochener Gewehre mit dem Stempel „Ludwig Löwe" an. Diese, die neu 58 Mark das Stück kosten, seien für 15 Pfennig pro Stück zu haben. Sie werden in Hörde umgeschmolzen und in glühendem Zustande per Eisenbahn wegbefördert. Niemand wisse, woher diese Gewehre kommen und wohin diese Metallmasse befördert werde. Es ist wirklich toll^ was alles passiert. Zum Schluß hielt noch Ahlwardt's Kompagnon^ der Schankwirth Bodeck^ eine Ansprache, und dann zog man vergnügt nach Haus." — Bekanntlich wurde Ahlwardt im Jahre 1892 in dem „Judenflinten-Prozeß" zu 5 Monaten Gefängniß verurtheilt und in dem damaligen Erkenntniß hieß es u. A.: „Wenn man sagt, der Angeklagte beleidigt durch Vorbringung falscher T Hatsachen gewissermaßen gewerbsmäßig, so sagt man etwas, was nicht zu viel ist. , . . Wenn wir Hunderte von Ahlwardts hier in Berlin hatten, könnte kein Mensch sich trauen, auf die Straße zu gehen; es würde eine absolute Unsicherheit entstehen. ..." Das Berliner Tageblatt meldete: „Jn's Ausland geflüchtet ist der Kaufmann Car! S k a r b i n a , der als Mitglied des Aufsichtsraths einer Berliner Genossenschaftsbank, die jämmerlich verkrachte, vor einiger Zeit häusig genannt wurde. Eigentlicher Leiter jenes famosen Bankinstituts, an dem viele kleine Leute ihre Ersparnisse verlieren, war der (als A n t i s e m i t e n f ü h r e r und Ahlwardtfreund bekannte) Hauptmann a. D. Herter. Skarbina war bis vor einem halben Jahr lange Zeit Konkursverwalter beim Spandauer Amtsgericht." n Schöneberg b. Berlin, 13. November. In unserm mit Berlin zusammenhängenden 73 00O Einwohner zählenden Porort, der mit dem 1. April 1898 Stadt wird, fanden am 10., 11., 12. November d. I. die ersten Stadtverordneten-Wahlen statt. Dieselben sielen zu Gunsten der unter Führung des freisinnigen Rentners