Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 559 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 569 den Behörden für verfassungswidrige, den Grundsatz der Gleichberechtigung verletzende Verwaltungsmaßregeln ihre Anerkennung zu Füßen legen. Das Maiheft 1896 dieser Zeitschrift brachte Seite 290 eine Statistik der jüdischen Oberlehrer in Preußen und wies dabei mit Recht darauf hin, wie wenig unsere gesetzliche Gleichberechtigung auf diesem Gebiete der Staatsverwaltung in der Praxis zur Geltung kommt. Der eben erschienene diesjährige „Kunze: Kalender für das höhere Schulwesen Preußens" giebt kein günstigeres Bild. Unter den 12 Provinzen haben 6 (Ostpreußen, Pommern, Hannover, Schleswig-Holstein, Westfalen, Rheinprovinz) nicht einen einzigen jüdischen Gymnasiallehrer. Jnsgesammt sind an den höheren Lehranstalten Preußens mehr als 5600 Lehrer angestellt; darunter befinden sich 55 jüdische Oberlehrer resp. Professoren, also nicht einmal 1 auf 100. Non diesen 55 gehören 20 — also mehr als ein Drittel — den jüdischen Lehranstalten in Frankfurt a. M. an; von den übrigen 35 sind 20 an den Berliner städtischen Schulen angestellt (auch in diesem Jahre findet sich in Berlin nicht ein einziger jüdischer Oberlehrer an einer königlichen Anstalt), so daß auf das gesummte übrige Preußen 15 entfallen. Bon diesen 15 sind 9 an städtischen Gymnasien resp. Realgymnasien angestellt (4 in Breslau am Johannes-Gymnasium, 3 in Frankfurt a. M., 1 in Frankfurt a. O., 1 in Magdeburg), 1 an einer gemischten, 5 an königlichen Anstalten (2 in Posen, je 1 in Thorn, Bromberg, Erfurt — in letzter Stadt nach 15jähriger Hülsslehrerzeit!) Alle diese Anstellungen sind mit einer Ausnahme in früheren Jahren erfolgt; in den letzten Jahren hat einzig und allein die städtische Verwaltung von Berlin, unbekümmert um den „Zug der Zeit", fortgefahren, auch jüdischen Hülfslehrern eine feste Stellung in ihrem Berufe zu gewähren. An den Berliner städtischen Schulen sind, wie oben bemerkt, 20 Oberlehrer angestellt, 4 an Gymnasien, 5 an Realgymnasien, 1 an einer Oberrealschule, 10 an Realschulen. Von den im Jahre 1896 vorhandenen jüdischen Hülfslehrern sind 2 angestellt worden, 1 an einem Gymnasium (was seit Michaeli 1877 nicht mehr geschehen ist), 1 an einer Realschule. Am 24. Oktober d. I. fand in den Räumen der Berliner Logen U.O.B.B. eine Konferenz betreffend innere Kolonisation unter reger Betheiligung hiesiger und auswärtiger Delegirter statt. . Nachdem der Vertreter der Großloge des U.O.B.B., Herr Sigmund Bergel, die Versammlung eröffnet hatte, hielt Herr G u st a v Tuch aus Hamburg einen längeren Vortrag über die Betheiligung der deutschen Juden an der heimischen Landwirth-