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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 556

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
Umschau
Date
1897-11-01
Page
556 (sequence 10)
Language
German
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556 3m deutschen Reich. Die freiere Richtung, welche die russische Politik seit der Thronbesteigung des jetzigen Zaren eingeschlagen hat, ist auch den Juden zu statten gekommen, wenn auch bis jetzt die Erweiterung ihrer Rechte noch keine sehr bedeutende ist. Immerhin werden bereits in hochpolitischen Kreisen Stimmen laut, die auf die heilsame Wirkung verweisen, welche vorausstchtlich eine größere Erweiterung dieser Rechte für die wirthschaftlichen Verhältnisse Rußlands haben würde. Die unter Alexander III. aus den Ackerbaukolonien ausgewiesenen jüdischen Bauern haben unter Nikolaus II. die Erlaubniß zur Rückkehr in ihre Dörfer erhalten. Ferner sollen dieselben im Verhältniß zu ihrem Zuwachs Land zum Anbau angewiesen erhallen und, soweit sie bemittelt sind, auch das Recht haben, Land vom Staate oder von Privaten nach Bedürfniß zu pachten. Die unter Alexander III. aufgehobene Bestimmung, welche den jüdischen Soldaten, die zehn Jahre gedient hatten, die Gleichberechtigung mit der orthodoxen Bevölkerung gewährleistet, ist jetzt wieder rechtskräftig geworden. Für die Entwicklung der jüdischen Ackerbaukolonien bekundet die russische Regierung dadurch ihr Interesse, daß sie jüdische landwirthschaftliche Schulen gründen will. Tie darüber verstimmten Judenfeinde behaupten deshalb bereits, daß der Jude auf die russische Landwirtschaft einen bedenklichen Einfluß gewinne. Wie die zahlreichen jüdischen Landwirthe, so werden auch die noch weit zahlreicheren gewerblichen Arbeiter in Rußland von den dortigen Antisemiten beständig verdächtigt, offenbar um der russischen Negierung die Lust zu verleiden, auf dem jetzt beschrittenen Wege einer milderen Verwaltungspraxis weiter zu gehen, wenn möglich sogar dieselbe zu neuen harten Maßregeln zu veranlassen. Ein bei dem deutschen sozialdemokratischen Parteitage eingegangenes Begrüßungs-Telegramm des sogenannten „Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes in Rußland" bot den Antisemiten den willkommenen Anlaß zu solchen Verdächtigungen. Diese Kundgebung einer erst neu begründeten und gewiß nur den kleinsten Theil der jüdischen Arbeiter Rußlands umfassenden Vereinigung veranlaßte die „Tägl. Rundschau^ zu nachstehender Prophezeihung: „Von den Industriestädten werden die Juden mit ihrer Agitation bald zu den Bauern auf's Land ziehen, wo der Nothstand den Boden ja genügend vorbereitet hat. Dann kann dem russischen Reiche eine unabsehbare Gefahr erwachsen, zumal wenn die jetzige Negierung ihren Juden die bisherigen Rechte zu erweitern gedenkt. Man darf sich nicht wundern, wenn die Behörden jetzt den Ausständigen nicht mehr zu Hilfe kommen, sondern wieder zu den alten Gewaltmitteln greifen." Das letztere mögen die russischen Gesinnungsgenossen der „Tägl. Rundschau" allerdings

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