Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 557 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 557 wünschen, die maßgebenden Kreise Rußlands dürsten aber doch endlich eingesehen haben, daß jedes Land diejenigen Juden hat, die es verdient. Wo man den Juden ein menschenwürdiges Dasein gönnt, wetteifern sie mit der übrigen Bevölkerung in der opferfreudigen Vaterlandsliebe und Treue. Dies.dürfte auch der Beherrscher der Türkei erkannt haben, da er dem Oberrabbiner in Konstantinopel, dem „Chacham Baschi" Rabbi Mose Halewi, der ihm zum Geburtstage die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte, am 31. August d. I. Folgendes erwiderte: „Ich habe Grund, im höchsten Grade mit meinen jüdischen Unterthanen zufrieden zu sein, welche in dem verstossenen Kriege viele neue Beweise ihrer Ergebenheit für meinen Thron, ihrer Vaterlandsliebe und unveränderten edlen Gesinnung geliefert haben". Wenn so die Juden anderer Länder sich als gute Patrioten erweisen, sollte man sich doch hüten, den deutschen Juden eine andere Gesinnung zuzutrauen. Der deutsche Jude hat ein Vaterland; er liebt es und hat Ursache es zu lieben. Und weil er es liebt, so bekämpft er in denjenigen, die ihm seine wohlerworbenen staatsbürgerlichen Rechte rauben wollen, zugleich die schlimmsten Feinde Deutschlands, die falschen Freunde desMittelstandes, welche diesem alle Zufriedenheit rauben, die gemeinschaftliche friedliche gewerbliche Arbeit beständig stören und dadurch der Wurzel des deutschen Bau me s die besten Säfte entziehen.