Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 553 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 553 gelischen, in rein evangelischen die katholischen Kultusbeamten Herkommen? Wie steht eS mit den exkommunizierten Katholiken und den Anhängern der jüdischen Neformgemeinden? Der Vorschlag des Herrn Hubrich gehört eben zu den ausgeklügelten Theorien eines dem Leben entfremdeten Gelehrten. Aber abgesehen davon, bleiben wir dabei stehen: Die Eidesleistung ist ein staatlicher Akt, der Richter ist kein Seelsorger und der Gerichtssaal kein Ort, an dem das religiöse Bekenntniß der Bürger zu untersuchen ist. Der Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenb e r g, welcher im Reichstage die „konfessionelle Eidesformel" anregte, hat zwar auf dem Parteitage zu Nordhausen scheinbar mit der konservativen Partei und dem Bunde der Landwirthe abgerechnet, aber sich selbst gleichzeitig sehr vorsichtig den Rückweg zu seinen alten Freunden offen gehalten. In einem in „Der nationale Gedanke und die Nationen" überschriebenen Artikel, den er in dem „Antis. Monatsblatt" veröffentlichte, stellte er sich als entschiedensten Gegner deS Parlamentarismus hin und wagte die selbst von seinen antisemitischen Freunden bemängelte Behauptung, „daß alljährlich im deutschen Reichstage die Heereseinrichtungen beschimpft würden". Darauf erwiderte der Führer der badischen Antisemiten, W. A. H. K ö st e r, im „Volksboten": „Von einer „Beschimpfung" von Heereseinrichtungen als solchen ist uns nichts bekannt. Daß Ausschreitungen Einzelner, die zum Theil auf fehlerhaften Einrichtungen beruhen, scharf kritisirt worden sind, ist freilich eine Thatsache, aber eine solche Kritik ist das Recht eines jeden Volksvertreters, ja seine Pflicht, denn ohne Kritit keine Besserung!" Demselben badischen Antisenütenführer Köster, der bei einem wüsten Wahlkrawall in dem badischen Orte Walldorf eine sehr klägliche Rolle gespielt zu haben scheint, dürfte eine „bessernde Kritik" auch nicht schaden. Am Abend des 20. Oktober veranstaltete er in dem dortigen Gasthause zum Lamm gemeinsam mit dem Reichstagsabgeordneten Bindewald und dem Landtagsabgeordneten Pststerer eine Versammlung, bei welcher es alsbald zu einer großen Schlägerei kam. Von antisemitischer Seite wird behauptet, daß aus dem Gasthause zur „Post" herbeigekommene Arbeiter, welche vorher von einigen Juden Bierspenden empfangen hatten, in den Saal des Gasthauses zum Lamm eingedrungen wären und den Streit begonnen hätten. Dagegen wird von anderer Seite versichert, daß Köster einem Israeliten eine Ohrfeige versetzte und dadurch die allgemeine Schlägerei verursacht habe, bei der mit Tischen, Stühlen und Biergläsern zugeschlagen wurde. Vor allem hatte es die . lärmende Menge auf Köster und Bindewald abgesehen, von denen