Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 551 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 551 seits zu verfallen!" Der in Münster erscheinende „Westfälische Merkur" hielt es kurz nach dem Vortrage Ahlwardts in Osnabrück für angezeigt, den Vorstandsmitgliedern des dortigen Neformvereins gründlich den Text zu lesen, trotzdem diese öffentlich erklärt halten, daß sie jede selbst kostenlose Unterstützung der Ahlwardt'schen Vortragsversammlungen in der dortigen Gegend entschieden abgelehnt hätten. In der Erklärung des Vereins zu Münster, die dem Centrums-Blatte noch keineswegs genügte, war ausdrücklich gesagt: „Der Reformverein schüttelt Herrn Ahlwardt noch ebenso kräftig von seinen Rockschößen wie vor 3 Jahren. Aus der geringen Zahl der in der Versammlung anwesenden Vereinsmitglieder (10!) dürste der Schluß zu ziehen sein, daß die Mitglieder des Neformvereins weder durch die Anwesenheit Ahlwardts in Münster erfreut, noch mit allen Theilen seiner Ausführungen einverstanden sind." Weil die Antisemiten von dem Centrum niemals jene Förderung erwartet haben, auf die sie bei den Konservativen und hauptsächlich bei dem „B u n d e d e r L a n d w i r t h e" mit Bestimmtheit rechneten, sind sie jetzt auf diese besonders erbittert. Vor der Wahl im Reichstagswahlkreise Westpriegnitz schrieb ein antisemitisches Blatt: „Die Erklärung des Organs der konservativen Parteileitung, daß die Antisemiten überall, wo sie auftauchen, grundsätzlich .und von vornherein als Gegner betrachtet werden müssen, beweist nur, daß die Partei das Tivoli- Programm thatsächlich preisgegeben hat. Wenn die Herren aber von der Voraussetzung ausgehen, daß auch der Bund der Landwirthe die Antisemiten überall, wo sie austauchen, grundsätzlich und von vornherein als Gegner betrachte, so darf erwartet werden, daß die Bundesleitung hierzu unverzüglich Stellung nimmt." Bald darauf berichtete dasielbe Blatt: „In letzter Stunde erließ der Kreisvorstand des Bundes der Landwirthe noch ein Flugblatt gegen die „Fremdlinge" und „Eindringlinge", das wohl zu weiteren Erörterungen Anlaß geben wird. In diesem Flugblatt wurde auch die bereits zurückgewiesene Unwahrheit wiederholt, daß der „Rechtsanwalt aus Rathenow" sich sogar als Kandidat des Bundes der Landwirthe ausgegeben habe! Gegen alle diese Mitbewerber hatte die Reformpartei einen schweren Stand." Ihr Kandidat brachte es noch nicht auf 2000 Stimmen, und nachdem bei der Stichwahl zwischen dem konservativen und dem freisinnigen Kandidaten der letztere den Sieg davongetragen hatte, ist der Zwist zwischen den Reformern und den Konservativen noch weit heftiger geworden,