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Im deutschen Reich · 1897-11-01 · Heft 11 (November 1897) · p. 550

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (November 1897)
Article
Umschau
Date
1897-11-01
Page
550 (sequence 4)
Language
German
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550 3m deutschen Reich. Allem genommen, einen schweren, schwer auszugleichenden Verlu st." Wiederholt ist in derselben Druckschrift die Befürchtung ausgesprochen, daß das Eingreifen der Antisemiten bei den Wahlen dem Deutschthum schaden könnte; dabei heißt es an einer Stelle: „Da der polnische Radau-Antisemitismus durch die maßgebendste Persönlichkeit bereits mundtodt gemacht worden ist, so werden die bei Censuswahlen einflußreichen jüdischen Wähler durch den sich wesentlich in Worten bethätigenden deutschen Antisemitismus von der Wahlbewegung abgeschreckt." Die Aeußerungen des vorerwähnten Delegirten der L h o r n e r Antisemiten, des Oberlehrers Benfemer, veranlaßten übrigens die „Gazeta Torunska" zu der Bemerkung: „Dieses beweist, daß die Tendenz der deutschantisemitischen Vereinigungen, ob sie sich „Reformvereine" oder anders nennen, sich von der Tendenz des H.-K.-T. nur darin unterscheidet, daß die Antisemiten, indem sie in die Polen d r e i n s ch l a g e n, gleichzeitig bemüht sind, dieselben für ihre eigenen Ziele auszunutzen. Hierdurch erklärt sich die verwunderliche Thatsache, daß dieselben Kreise, welche so viele Beweise ihrer Antipathie gegen die Polen gaben, die polnische Zunge zur antisemitischen Agitation mißbrauchen, wovon das Austauchen von in polnischer Sprache gedruckten Karten: „Kauft nicht bei Juden!" zeugt, welche dieser Tage in Thorn an den Mauern und Schaufenstern der Geschäftsläden angeklebt wurden. Es bedarf nicht der Versicherung, daß diese Karlen nicht von den Polen nach Thorn bezogen wurden; denn ein denkender Pole, sollte er selbst den Juden abgeneigt sein, würde seine Hand zur antisemitischen Hetze nicht hingeben, weil daraus nur die H.-K.-Tisten Nutzen ziehen würden, da man bei den Polen nicht alles kaufen kann." Dieselbe zweifelhafte Stellung, welche die Antisemiten den Polen gegenüber einnehmen, bewahren sie auch anderen Parteien gegenüber. Bei der Centrumspartei sind sie damit nicht weit gekommen, weil die höhere katholische Geistlichkeit in Deutschland wie in Oesterreich sich konsequent gegen die konfessionelle Verhetzung erklärte. Unter Anderen hat dies erst vor wenigen Wochen der Weihbischof Dr. Schmitz in Krefeld gethan, welcher in einer dort gehaltenen Rede sagte: „W er heute die konfessionelle Verhetzung in die M assen trägt, der ist der willko m men st e Handlanger für die Geister des Umsturzes, die sich vergnügt die Hände reiben, wenn sie sehen, wie diejenigen in Hader w.tteinander entzweit sind, die ihre gemeinsamen Gegner sein sollten. Hüten wir daher uns wohl, in den Fehler konfessioneller Hetze unser-

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