Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 549 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 649 Drohung, daß die Antisemiten dem „Bunde der Landwirthe" in Bauernbünden eine Konkurrenz zu machen suchen würden, wenn der Bund sich ihnen nicht füge und sich etwa noch tiefer mit den Konservativen einlasie. Die antisemitische Behauptung, daß sich die Reformpartei bei der Behandlung der P o l e n f r a g e in Nordhausen als eine sorgsame Hüterin deutscher Interessen erwiesen habe, dürfte kaum als zutreffend angesehen werden. Es wurde zwar schließlich eine Entschließung des Dr. Lindström-Goslar angenommen, welche die Nothwendigkeit der Bekämpfung der polnischen Agitation betonte, aber dies geschah erst, nachdem vorher ohne bemerkenswerthen Widerspruch dem „Verein zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken" von dem Oberlehrer B e n s e m e r aus T h o r n vorgeworfen worden war, daß er Deutsche und Polen zu Gunsten der Juden verhetzt und in einem seiner Flugblätter das Judenthum „einen besonders wich-, tigen Bestandtheil des Deutschthums" genannt habe. Den Gesammteindruck des Parteitages faßte das „Leipz. Tageblatt" treffend in die Worte zusammen: „Im Lichte dieser Verhandlungen erscheint die Partei wie ein Aal, an kaum einem Punkte zu fasten, an keinem festzuhalten." Unter der Ueberschrift: „Heiteres in ernster Zeit" verweist das Organ des Vereins zur Förderung des Deutschthums „Ostmark" selbst auf den eigenthümlichen Widerspruch, daß der gedachte Verein in den „Deutsch-sozialen Blättern" Liebermann von Sonnenberg's eine großartige, rafsinirt angelegte jüdisch-freisinnige Machenschaft, in der freisinnigen „Posener Zig." aber „ein rein junkerliches Unternehmen" genannt worden sei. Ueber das Wirken des Vereins mögen die Urtheile auseinander gehen, aber darüber dürften die meisten einig sein, daß die antisemitische Wühlerei auf das Deutschthum in den Ostmarken höchst ungünstig gewirkt hat, indem sie zu dein massenhaften Abzug der Juden aus den polnischen Landestheilen beitrug. Klar und deutlich ist dies aus einer Brochüre zu ersehen, die kürzlich unter dem Titel „Aus unserer Ostmark" als Sonderabdruck eines Artikels aus dem „Grenzboten" erschienen ist. In derselben heißt es: „Die Juden haben sich in der Provinz Posen in den letzten beiden Menschenaltern um die Hälfte, im Jahrzehnt 1885 bis 1895 speziell um 11 000 (auf 40 000) vermindert. Da sie, so zweifelhaft ihr Verhalten aus wahltaktischen und geschäftlichen Gründen im einzelnen Falle ist, mit verschwindenden Ausnahmen deutsch empfinden, deutsch gebildet und meist wohlhabend, wo nicht reich, sind, so erleidet das Deutschthum durch ihren Abzug, Alles in